Eine Kleinbäuerin geht in Mangochi in Malawi über ihr Feld.
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Eine Kleinbäuerin geht in Mangochi in Malawi über das Feld.

Landwirtschaft

Kleinbauern schützen

  • Gertrud Falk
    vonGertrud Falk
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Bundesregierung muss die UN-Erklärung „Undrop“ umsetzen. Die Gastwirtschaft.

Die Menschheit vernichtet ihre Lebensgrundlagen. Pflanzen- und Tiervielfalt gehen durch den massiven Einsatz von Agrarchemikalien und die Rodung von Wäldern dramatisch zurück. Immer mehr Länder stehen unter Wasserstress – für industrielle Landwirtschaft, Bergbau und Industrie wird mehr Wasser entnommen und verschmutzt als sich auf natürlichem Weg regenerieren kann. In den letzten 100 Jahren sind 75 Prozent der Kulturpflanzen ausgestorben. Und die Klimakrise verschärft das Artensterben.

Eine wichtige, aber meist nicht genannte Ursache ist die politische und rechtliche Diskriminierung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft gegenüber der Agrarindustrie, obwohl erstere weltweit 70 Prozent der Nahrungsmittel herstellt und dazu nur einen Bruchteil der Ressourcen verbraucht. Bäuerinnen und Bauern müssen weltweit um den Zugang zu Land, Saatgut und Wasser kämpfen. In vielen Ländern werden sie dafür auch noch kriminalisiert.

Als Antwort darauf hat die internationale bäuerliche Bewegung La Via Campesina bei den Vereinten Nationen eine Menschenrechtserklärung erstritten. In der als „Undrop“ abgekürzten Deklaration sind seit Dezember 2018 die Rechte der Menschen, die im ländlichen Raum in der handwerklichen Lebensmittelproduktion arbeiten, sowie die staatlichen Pflichten zu ihrer Durchsetzung formuliert. Dazu gehören die Rechte auf eine gesunde Umwelt, nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen und auf Ernährungssouveränität. Staaten sollen diese Rechte insbesondere gegenüber industriellen Interessen nicht nur schützen und stärken, sondern Bäuerinnen und Bauern dazu auch diskriminierungsfreie, politische Mitwirkungsmöglichkeiten einräumen.

Die Umsetzung dieser Menschenrechtserklärung ist nun der nächste wichtige Schritt gegen die Ausbeutung der Natur und für die Sicherstellung vielfältiger und gesunder Nahrungsmittel. Sie nutzt nicht nur Bäuerinnen und Bauern, sondern uns allen. Die Bundesregierung sollte daher schnell mit der Umsetzung der Undrop beginnen und Freihandelsabkommen wie Mercosur oder die gemeinsame Agrarpolitik der EU kritisch prüfen. Für die neue Zukunftskommission Landwirtschaft muss die Undrop Leitlinie sein.

Die Autorin ist Referentin für die Rechte von Bäuerinnen und Bauern bei der Menschenrechtsorganisation Fian Deutschland.

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