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Keine Frage der Balance!

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Von: Kristina Jeromin

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Auch SAP beteiligt sich an der Unternehmensinitiative Value Balancing Initiative (VBA).
Auch SAP beteiligt sich an der Unternehmensinitiative Value Balancing Initiative (VBA). © Uwe Anspach/dpa

Risiken müssen offengelegt und minimiert werden. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Die Unternehmensinitiative Value Balancing Initiative (VBA) ist 2019 mit dem Ziel angetreten, einen Berichterstattungsstandard zu entwickeln, der eine ganzheitliche Erfassung und Monetarisierung unternehmerischer Wertbeiträge ermöglicht. Nun gerät sie zunehmend in die Kritik.

Eine der großen Herausforderungen im Rahmen der Etablierung nachhaltiger Wirtschaftsstrukturen ist die Schaffung einer verlässlichen Datenbasis. Daten, die es erlauben, die positiven und negativen Auswirkungen unserer Wirtschaftstätigkeiten sichtbar zu machen und ihnen anhand standardisierter Methoden ein Preisschild zu geben. Der dann mögliche Kassensturz würde helfen, die Frage zu beantworten, was wir uns zukünftig noch leisten können, ohne weiterhin Raubbau an den natürlichen Ressourcen unsere Erde zu betreiben und damit auf Kosten zukünftiger Generationen zu wirtschaften.

Wer wäre prädestinierter für die Entwicklung einer solchen Methodik als die Industrie selbst? Hier sitzt das Wissen um Prozesse, Technologien und Innovationen. Und hier vermutet man auch die Einsicht in die Notwendigkeit, sich ehrlich zu machen bezüglich der Fragen, was zukünftig noch geht. Welche Risiken noch tragbar sein werden, ohne der eigenen Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit den Boden, die Luft, das Wasser, die Mitarbeitenden und vieles mehr zu entziehen.

Vor diesem Hintergrund stimmte die Gründung der VBA rund um Unternehmen wie BASF, Bosch, SAP und diverse Wirtschaftsprüfungsgesellschaften positiv. Sie weckte die Hoffnung, dass der deutlich zu zögerliche politische Prozess zur Standardsetzung durch die Industrie beschleunigt oder gar überholt werden könnte. Zu früh gefreut! Führende Umweltorganisationen wie der WWF, Germanwatch und der Nabu haben den VBA-Ansatz scharf kritisiert. Die Methodik der VBA ignoriere die Belastungsgrenzen der Erde und die hier zugrunde liegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse. Des Weiteren suggeriere die Methodik, das negative unternehmerische Effekte durch Steuer- und Lohnzahlungen ausgeglichen werden könnten. Das habe mit verantwortungsvoller und vorausschauender Unternehmenssteuerung wenig zu tun, sondern erweise einer langfristigen Erfolgsstrategie sogar im Gegenteil einen Bärendienst. Eine Reaktion der VBA auf die Kritik steht noch aus.

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