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Kein „Problem“?

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Von: Stephanie Borgert

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Manche Menschen bekommen bei dem Wort „Problem“ eines.
Manche Menschen bekommen bei dem Wort „Problem“ eines. © Rolf Poss/Imago

Warum Menschen auch in Unternehmen lieber von „Herausforderungen“ sprechen, als die Dinge beim Namen zu nennen.

Die Runde der Führungskräfte trifft sich zum Offsite und ich schreibe eine Frage zum Check-In an das Flipchart: Welches grundlegende Problem wollen Sie in den kommenden zwei Tagen lösen?“ Ein Herr ruft empört: „Die Frage ist falsch!“ Ich ziehe die Augenbrauen hoch und er fährt fort: „Problem ist mir zu negativ. Ich bin doch nicht hier, um mich mit Problemen zu beschäftigen.“

Es ist nicht das erste Mal, dass mir Abneigung gegen den Begriff Problem begegnet. Nicht immer wird sie so vehement vorgetragen, aber allgemein beschäftigt sich Mensch in Unternehmen lieber mit Herausforderungen, auch wenn häufig nicht mitbedacht ist, welche Wirkung Begriffsverklärung hat.

Ich frage den Herrn, womit er sich denn beschäftigen möchte und was er als seine Aufgabe sieht. Die Antwort ist erwartet schwammig und zählt von Mitarbeiterführung über Controlling, Vorbild sein und Zukunftsbild erarbeiten alle Platzhalter auf, die sich finden lassen.

An dieser Stelle wird gleichzeitig auch deutlich, was man oder frau über Führung, Management und die Aufgabe von Organisationen denken. Übrigens ein gutes Thema, um es in einem der vielen Offsites zu diskutieren.

Werfen wir einen Blick auf die Situation, in denen Unternehmen zurzeit agieren. Krise reiht sich an Krise, die Anzahl an Überraschungen steigt. Energie, Lieferketten, Krankenstand, Inflation – die Liste der „Themen“ ist lang und bringt jede Menge akuter und zukünftiger Probleme mit. Frühzeitige Antizipation und Vorbereitung sind klügere Ratgeber, als Abwarten und Tee trinken.

Auch innerhalb einer Organisation geht es darum, Probleme zu lösen. Ohne ein wohlformuliertes Problem á la „Die Kundenbeschwerden haben im letzten halben Jahr um 25 Prozent zugenommen“ findet kein Verstehen von Wirkungen, kein Besserwerden, kein Lernen statt.

Gerade Manager und Führungskräfte sollte sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen beziehungsweise die Könner im Unternehmen diese Probleme in Ruhe lösen lassen.

Der Begriff gehört umgehend rehabilitiert und Probleme mit ausreichendem Fokus bearbeitet. Begriffe rundschleifen und unverbindliche Management-Offsites dienen zwar der Beschäftigung, Arbeit aber ist tatsächlich nur das Lösen von Problemen.

Die Autorin ist Management-

beraterin. Zuletzt erschien von

ihr das Buch „Erfolg ist ein

Mannschaftssport“.

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