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Kein Fall für die EZB

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Von: Mechthild Schrooten

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Ein Gespenst geht um im Land, doch wie sehr müssen wir es wirklich fürchten?
Ein Gespenst geht um im Land, doch wie sehr müssen wir es wirklich fürchten? © Maurizio Gambarini/dpa

Unser Wohlstand erhält nur einen realistischeren Preis. Die Kolumne „Gastwirtschaft“ zur Inflation.

Die Preise steigen. Inflation ist das neue, alte Schreckgespenst. Das Statistische Bundesamt weist für Januar 2022 eine Inflationsrate von 4,9 Prozent gegenüber dem Januar 2021 aus. Das ist zwar geringer als die Inflationsrate im Dezember aber immer noch hoch.

Im Sommer 2021 deutete sich an, was uns heute zu schaffen macht. Immer wieder wurde versichert, das ist normal und geht vorbei. Fakt ist: Das ist normal, geht aber nicht so schnell wieder vorbei. Denn wir sind in einer besonderen Phase. Klar, pandemiebedingt kommt es zu Lieferengpässen. Ganz lehrbuchmäßig bringen Knappheiten höhere Preise mit sich. Aber vieles kommt aus dem Energiesektor. Energiepreise waren schon immer sehr volatil. Die Märkte sind aktuell überhitzt.

Volatile Energiepreise sind keine Aufgabe für Zentralbanken. Zentralbanken blenden daher normalerweise Preisschwankungen auf volatilen Märkten bei der Berechnung der Kerninflation aus. Auch die CO2-Steuer ist kein Fall für die Zentralbank. Wenn jetzt ein – immer noch viel zu geringer – Preis für Umweltzerstörung verlangt wird, ist das keine „Greenflation“. Vielleicht ist das ein fossiler Preisauftrieb. Vor allem aber ist es konsequent. Wir müssen wenigstens bereit sein, einen etwas realistischeren Preis für unseren Wohlstand zu zahlen. Wenn wir das Inflationsangst nennen, ist das peinlich.

Kurzum eine Zinserhöhung hilft nicht. Vielmehr würden so die notwendigen, aber verschleppten Investitionen in erneuerbare Energien verteuert. Das käme zur Unzeit. Unbedingt kompensiert werden müssen diejenigen, die schon jetzt wenig haben. Transfers sind hier ein systematischer Hebel. Die Steuerungswirkung der CO2-Steuer wird damit keineswegs ausgehöhlt.

Doch die sich überlappenden Krisenerscheinungen lassen schnell Nebel aufkommen. Dennoch: Das neoliberale Loblied auf Globalisierung und Heilungskräfte des Marktes wird inzwischen kaum noch gesungen. Denn es ist klar, der Markt heilt so gut wie gar nichts. Die Klimakatastrophe geht auch auf ungebändigte Märkte, exzessive Globalisierung und Ausbeutung zurück. Das vielschichtige Marktversagen muss endlich bepreist werden. Auch und gerade in Deutschland. Das wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Zukunftsgestaltung.

Die Autorin ist Professorin für Volkswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Geld und Internationale Integration an der Hochschule Bremen.

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