Der lokale Handel braucht Hilfe.
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Der lokale Handel braucht Hilfe.

Konsum

Kauft vor Ort!

  • Katharina Dröge
    vonKatharina Dröge
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Es ist ein schwerer Fehler, dass die Bundesregierung so wenig tut, um dem von der Corona-Krise schwer getroffen lokalen Handel zu helfen.

Die Coronakrise trifft den lokalen Handel schwer. Auch nach dem Ende des Lockdown leiden Geschäfte unter nie gekannten Umsatzverlusten, weil viele Menschen Einkommensverluste hinnehmen mussten, bis hin zur Arbeitslosigkeit. Gestiegene Lebensmittelpreise belasten zudem das Budget derer, die wenig haben. Und viele bestellen aus Angst vor Infektionen weiterhin im Internet: Giganten wie Amazon haben vom Lockdown profitiert.

Es ist ein Fehler, dass die Bundesregierung so wenig tut, um dem lokalen Handel zu helfen. Die temporäre Senkung der Mehrwertsteuer ist aufwendig und kommt zu einem guten Teil Online-Händlern zugute. Es ist auch völlig unklar, in welchem Umfang die Unternehmen sie weitergeben, und selbst wenn, werden sich Menschen, die Kurzarbeitergeld beziehen oder ihren Job verloren haben, keine größeren Anschaffungen leisten können. Es hätte ein deutlich zielgerichteteres und sozial gerechteres Konzept gegeben: Kauf-vor-Ort-Gutscheine für jeden Erwachsenen und jedes Kind in Höhe von 200 Euro.

Vorteil dieses Gutscheins wäre, dass er allein im lokalen Handel hätte eingelöst werden können. Anders als die Mehrwertsteuersenkung belohnt solch ein Gutschein nicht überproportional den Kauf teurer Güter, die eher von denen gekauft werden, die sie sich sowieso leisten können.

Die Bundesregierung hat sich dagegen entschieden, dem lokalen Handel zielgerichtet zu helfen. Viele der überwiegend weiblichen Beschäftigten bangen nun um ihre Jobs. Die Kommunen verlieren Steuereinnahmen, ihre Zentren drohen zu veröden.

Zusätzlich geraten viele Innenstädte unter Druck, weil das örtliche Kaufhaus schließt. Flüchtig betrachtet scheint nachvollziehbar, dass die Coronakrise die Probleme bei Galeria Karstadt Kaufhof verschärft hat. Doch legt das Verhalten des Eigentümers einen anderen Schluss nahe: Die Krise ist für ihn nur ein Vorwand, er agiert wie ein Immobilien-Zocker.

Die Regierung darf die Beschäftigten und die Kommunen nicht länger allein lassen! Denn auch unabhängig von Karstadt-Kaufhof steckt der Einzelhandel in einem Strukturwandel. Wir brauchen verlässliche Zuschüsse für Betriebe in Not, auch über den August hinaus. Der lokale Handel braucht Unterstützung beim Aufbau digitaler Plattformen. Und wir brauchen ein Zukunftskonzept, wie möglichst viele Innenstädte und Dorfkerne belebt werden können.

Katharina Dröge, die Autorin dieser Kolumne  aus der Reihe „Gastwirtschaft“, ist Sprecherin für Wirtschaftspolitik der Bundestagsfraktion der Grünen.

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