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Großbritanniens Premierminister Johnson
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„Die Gründe für unseren Impferfolg, meine Freunde, sind Kapitalismus und Gier“, sagte Großbritanniens Premier Boris Johnson in Tory-Kreisen.

Globale Impfkampagne

Kapitalismus und Gier

  • VonFrank Fehlberg
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Die landläufige Bewertung der Impfstoffverteilung legt offen, was wir vonder Marktwirtschaft halten und warum wir sie trotzdem wollen.

Die USA, Großbritannien und Israel sind die Champions der globalen Impfkampagne. In Deutschland heißt es: Es liegt an der EU, dass wir „so langsam“ sind. Dabei konnte niemand, der um die Kapazitäten der weltweiten Produktion wusste, zu Jahresbeginn Impfstoff für alle erwarten. Zudem: Europa impft langsamer, weil andere sich herausgenommen haben, schneller zu impfen.

Die USA gingen auf Impfstoff-Einkaufstour und aktivierten den Defense Production Act aus dem Kalten Krieg. Großbritannien importierte den Hauptteil seiner Impfdosen aus der EU und sogar aus Indien. Premier Boris Johnson dazu in Tory-Kreisen: „Die Gründe für unseren Impferfolg, meine Freunde, sind Kapitalismus und Gier.“ Israel nahm mehr Geld in die Hand und akzeptierte einen lockeren Datenschutz – und wurde aus Werken in Belgien und Deutschland beliefert. Motto aller drei: My nation first, no exports.

Die Impf-Champions hätten „einfach die Marktwirtschaft begriffen“. Dieses Argument ließ Markus Lanz neulich den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) wissen. Letzterer hatte die Vorgänge zu Recht als „Vordrängeln“ qualifiziert. Ein Wettbewerb unter Gleichen findet weder in der weltweiten Pharmabranche noch in den heterogenen Strukturen der Staatenwelt statt. Lanz leiht einer weit verbreiteten Haltung seine Stimme: „Marktwirtschaft? Da gewinnt der Stärkere!“ Der Bessere sei ja der Stärkere. Man verweist nur floskelhaft auf den Wettbewerb, weil man es als Teil der deutschen Wirtschaftsmacht gewohnt ist, erfolgreich prioritäre Ansprüche zu stellen. Solange man das Spiel gewinnt, sind einem Spielregeln egal.

Nur wenig Gehör finden Stimmen wie jene des Europarechtlers Gareth Davies von der VU Amsterdam. Er meint, dass die naive marktfreundliche Haltung der EU ihr eigentliches Problem sei. Sie könne sich deshalb nicht einmal intellektuell gegen das Narrativ der „freien“ Corona-Marktwirtschaft zur Wehr setzen – obwohl sie vieles richtig gemacht habe und dem Modell des „anglo-amerikanischen Impfnationalismus“ nicht folge.

Bleibt festzuhalten: Die erste globale Gesundheitskrise läuft nicht nach dem Wettbewerbsideal einflussreicher VWL-Lehrbücher ab. Als plausibles Gedankenspiel weicht es dennoch schwer aus unseren Köpfen. Dagegen hilft ein spekulativer Perspektivwechsel: Stellen Sie sich vor, mit welcher Effizienz wir Umwelt und Klima retten, wenn wir es allein mit Wettbewerb versuchen.

Der Autor ist Mitglied im Netzwerk Plurale Ökonomik e.V.

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