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Auch wenn es sich anders anfühlen mag: In einer marktwirtschaftlich-kapitalistischen Ordnung geht es nicht um die Befriedigung von Verbraucherinnen und Verbrauchern.

Maximale Rentabilität

Im Kapitalismus sind die Verbraucher nur notwendiges Übel

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Die naive Vorstellung, die Konsumbedürfnisse der Bevölkerung optimal zu befriedigen, steht im Widerspruch zum Ziel eines jeden Unternehmers: maximale Profitrate. Die Wirtschaftskolumne.

Die marktwirtschaftliche Fundamentalthese von der „Herrschaft der Konsumenten“ über die Produzenten geht auf den liberalen Ökonom Adam Smith zurück und determiniert bis heute übelste marktwirtschaftliche Ideologie. Für Smith ist Konsumenteninteresse ein Allgemeininteresse, während das Produzenteninteresse lediglich als ein Partialinteresse von Unternehmern eingestuft werden könne. Dies ist jedoch blanker Unsinn.

In einer marktwirtschaftlich-kapitalistischen Ordnung geht es nicht um die Befriedigung von Verbrauchern, sondern realiter um eine maximale Expansion und Rentabilität von Kapital. Dies verlangt nach einem ständigen Zwang zur Produktion (Wachstum) und Realisierung von Mehrwert. Die Verbraucher sind dazu nur notwendiges Übel, genauso wie der abhängig Beschäftigte vom Unternehmer zur Produktion von Mehrwert benötigt wird. Das gesellschaftlich Unglaubliche ist dabei jedoch, dass Verbraucher und Beschäftigte, die auch noch beides in einer Person verkörpern, dies nicht verstehen oder wahrhaben wollen und sich täglich mystifizieren lassen.

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Heinz-Josef Bontrup, emeritierter Professor für Wirtschaftswissenschaft.

Die naive Vorstellung, die Konsumbedürfnisse der Bevölkerung mit niedrigen Preisen, maximalen Mengen und besten Warenqualitäten optimal zu befriedigen, steht völlig widersprüchlich zum Ziel nach einer maximalen Profitrate eines jeden Unternehmers. Unternehmer wollen Konsumenten nicht bedarfsgerecht versorgen bzw. wirtschaftliche Knappheiten mindern, sondern im Gegenteil künstliche durch Anwendung subtiler Marketing- und Werbeinstrumente laufend neu schaffen. Dazu stellte schon 1959 der Betriebswirt Wilhelm Rieger fest: „Dass eine Unternehmung sich als Aufgabe die Versorgung des Marktes setzt, ist eine ganz unmögliche Vorstellung. (...) Von den Unternehmern (...) könnte man eher behaupten, dass sie es außerordentlich bedauern, wenn sie den Markt versorgen; denn je länger er nicht versorgt ist, desto länger die Aussicht auf Absatz und Gewinn. Nichts hört der Kaufmann so ungern wie dies: Es gibt keinen Bedarf, der Markt ist versorgt.“

So scheuen denn auch am Ende Unternehmer zur Absatzsteigerung selbst vor Korruption und schwersten kriminellen Handlungen nicht zurück. Und fliegt ihr Handeln auf, sind alle entsetzt. Dies manifestiert dann allerdings nur noch ein vollständiges Nichtwissen um die Dinge, um die es im Kapitalismus geht.

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