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Jetzt soll’s die Weltbank richten

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Von: Tillmann Elliesen

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Gas-Frachter vor Dakar an der Küste von Senegal: Europa bittet inzwischen händeringend um Gas aus afrikanischen Ländern, um unabhängig von Russland zu werden.
Gas-Frachter vor Dakar an der Küste von Senegal: Europa bittet inzwischen händeringend um Gas aus afrikanischen Ländern, um unabhängig von Russland zu werden. © Bernd von Jutrczenka/dpa

Bisher sollte die Weltbank in Entwicklungsländern vor allem Armut bekämpfen helfen. Bundesentwicklungsministerin Schulze will, dass sie sich künftig stärker um die globale Klima-Krise kümmert. Keine wirklich gute Idee!

Die deutsche Entwicklungsministerin Svenja Schulze will, dass die Weltbank mehr zum Klimaschutz beiträgt. Ärmeren Ländern sollten günstige Kredite angeboten werden, die sie zu Hause in eine saubere Energieversorgung investieren können, hat die SPD-Politikerin kürzlich vorgeschlagen. Außer Deutschland fordern das noch einige andere Industrieländer.

Das klingt vernünftig, hat aber einen schalen Nachgeschmack. Bisher sollte die Weltbank in Entwicklungsländern vor allem Armut bekämpfen helfen. Schulze will stattdessen, dass sie sich stärker um die globale Krise Klimawandel kümmert – um eine Krise also, die die reichen Länder verursacht haben und unter der vor allem die armen Länder heute schon leiden.

Zur Erinnerung: Auf der Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen hatten die Industrieländer zugesagt, jährlich 100 Milliarden Euro für Klimaschutz in Entwicklungsländern und für die Anpassung an den Klimawandel dort bereitzustellen. Das haben sie bisher nicht erfüllt, und jetzt soll also die Weltbank einspringen – mit Geld, dass dann voraussichtlich für die Armutsbekämpfung fehlen wird.

Gut möglich, dass Schulzes Vorstoß auf der nächsten UN-Klimakonferenz im November in Ägypten für Zoff sorgt. Dort wollen die afrikanischen Staaten klarstellen, dass sie nicht auf Öl, Kohle und vor allem Gas in der Energieversorgung verzichten werden, bis der Übergang zu erneuerbaren Energien geschafft ist.

Noch vor einem Jahr hatten die Industrieländer auf der Klimakonferenz in Glasgow vollmundig angekündigt, sie würden fossile Energieprojekte in Entwicklungsländern nicht mehr fördern. Heute ist vor allem Europa deutlich kleinlauter und bittet händeringend um Gas aus Mosambik, Senegal und Nigeria, um unabhängig von Russland zu werden.

Die afrikanischen Staaten sind diese Doppelzüngigkeit leid – und das zu recht. Anders als in Europa geht es in Afrika immer noch um den Aufbau einer verlässlichen Stromversorgung überhaupt. Investitionen in fossile Energiequellen müssen deshalb für den Übergang und wo immer das entwicklungspolitisch sinnvoll ist auch in Zukunft möglich sein. Es führt kein Weg daran vorbei: Der Kampf gegen die Erderhitzung muss in den reichen Ländern im globalen Norden und in den sich schnell industrialisierenden Schwellenländern wie China ausgetragen werden, nicht in Afrika.

Der Autor ist Redakteur beim entwicklungspolitischen Magazin „Welt-Sichten“, www.welt-sichten.org.

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