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Investment in eine bessere Zukunft

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Von: Andreas Bangemann

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Die Nachfrage nach der neuen Rechtsform „GmbH mit gebundenem Vermögen“ ist insbesondere von Seiten junger Gründungswilliger groß. (Symbolbild)
Die Nachfrage nach der neuen Rechtsform „GmbH mit gebundenem Vermögen“ ist insbesondere von Seiten junger Gründungswilliger groß. (Symbolbild) © Jonas Walzberg/dpa

Die Koalition plant eine neue Rechtsform für Firmen. Das ist gut so. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Die geltenden Koalitionsvereinbarungen von SPD, Grünen und FDP sehen vor, einer neuen Rechtsform für Unternehmen die gesetzliche Grundlage zu schaffen. Wird das Vorhaben umgesetzt, können Neugründer eine „GmbH mit gebundenem Vermögen“ gründen. Eine Art Kapitalgesellschaft bekannten Zuschnitts, mit dem Unterschied, dass Gewinne im Unternehmen gebunden bleiben und ausschließlich satzungskonformen Zwecken dienen.

Ebenfalls anders ist, dass investiertes Kapital, auf ewig nur seinen Nennwert behält. Die Anteilseigner:innen gehen „naked in“ und „naked out“, wie Armin Steuernagel es ausdrückt, geschäftsführender Vorstand der Stiftung Verantwortungseigentum. Damit ist gemeint, dass ein Geschäftsanteil im Laufe der Zeit nicht an Wert gewinnen kann, wie bei Aktien oder GmbH-Beteiligungen üblich. Dadurch erfolgt etwas in der kapitalistischen geprägten Wirtschaft Anormales: Die Kapitalrendite entfällt. Investoren orientieren sich am Sinn der Unternehmensarbeit.

Kritiker der geplanten Rechtsform sehen darin eine Eigenentmachtung des Unternehmens. Potentielle Nachfolgende seien durch irreversible „Ewigkeitsklauseln“ in ihrer Freiheit eingeschränkt. Ein seltsames Argument mit Blick auf den Ewigkeitsanspruch des Kapitals auf Rendite, jenem Merkmal der Wirtschaftsordnung, dem man zunehmend die bedrohlichen Probleme der Neuzeit, wie den Klimawandel und zerrüttete Sozialverhältnisse zuschreibt.

Die Nachfrage nach der neuen Rechtsform ist insbesondere von Seiten junger Gründungswilliger groß. Sinn und Zweck ihrer Arbeit leitet sie. Kapitalgeber mit reinem Renditeinteresse und einer flüchtigen Bindung an den Kerngedanken des Unternehmenszwecks, lehnen Verfechter von Verantwortungseigentum ab. Die geplante Rechtsform vergrößert die Auswahl für Unternehmensgründer:innen. Das ist ein urliberaler Erweiterungsprozess. Unternehmer:innen nehmen sich die Freiheit, den Frieden störende Mechanismen auszuschließen. Die Freiheit, sich einem Zweck unterzuordnen. Die Freiheit, eine Unternehmensidee vor ungewollten Einflüssen zu schützen. Eigentum ist Freiheit. Eigentum friedet ein. Die GmbH mit gebundenem Eigentum zieht Grenzzäune gegen Spekulation und Renditejagd. Anlegern wird das gefallen, weil es ein Investment in eine bessere Zukunft bietet.

Der Autor ist Chefredakteur der Zeitschrift „Humane Wirtschaft“.

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