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Innere Werte

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Von: Rolf D. Häßler

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„Ist ja sowie alles nur Greenwashing“? Mitunter ist der Vorwurf nur mehr ein Argument, sich nicht intensiver mit der nachhaltigen Kapitalanlage zu beschäftigen.
„Ist ja sowie alles nur Greenwashing“? Mitunter ist der Vorwurf nur mehr ein Argument, sich nicht intensiver mit der nachhaltigen Kapitalanlage zu beschäftigen. © Imago

Was für die Weiterentwicklung der nachhaltigen Kapitalanlage wichtig ist. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

In dem Maße, wie nachhaltige Fonds bei den Anlegern an Bedeutung gewinnen, wächst die Versuchung für die Anbieter, ihr Angebot grüner, fairer – einfach besser darzustellen, als es wirklich ist. Insbesondere nach der Einführung der Offenlegungsverordnung mit ihrer Klassifizierung von Fonds als nachhaltigkeitsorientiert (Art. 8) oder wirkungsorientiert (Artikel 9) wird der Vorwurf des Greenwashing für Anlageprodukte beinahe schon inflationär verwendet.

Daran ist die Fondsszene nicht ganz unschuldig. Immerhin hat der eine oder andere Anbieter die Klassifizierung seines Fonds beispielsweise nach Artikel 8 als Auszeichnung für die Qualität des Fonds dargestellt.

Diese Verordnung definiert aber keine Qualitätsstandards, mit denen ein Fonds werben kann, sondern Transparenzstandards für Fonds, die damit werben, dass sie nachhaltig ausgerichtet sind.

Problematisch ist es aber, wenn konzeptionelle Unterschiede in der Gestaltung zum Anlass genommen werden, Fonds – gerne auch denen des Wettbewerbers – eine It-Girl-Attitüde zu unterstellen, also mehr auf ein blendendes Äußeres als auf innere Werte zu setzen. Nur weil ein Fonds auf nachhaltige Spitzenreiter mit hoher Nachhaltigkeitsqualität setzt und ein anderer auf Unternehmen, die in der Phase der Transition ihrer Geschäftsmodelle sind, ist der letztere Fonds aus Nachhaltigkeitsperspektive nicht weniger wertvoll.

Eine undifferenzierte Nutzung des Greenwashing-Vorwurfs erhöht zudem gerade bei den noch unentschlossenen Anlegern die Unsicherheit und bietet ihnen nach dem Motto „Ist ja sowie alles nur Greenwashing“ ein einfaches Argument, sich nicht intensiver mit der nachhaltigen Kapitalanlage zu beschäftigen.

Insofern ist mit Blick auf die Weiterentwicklung der nachhaltigen Kapitalanlage zweierlei richtig: Eine konsequente Verfolgung systematischer Falschdarstellungen der nachhaltigen Ausrichtung eines Anlageprodukts, aber eben auch mehr Akzeptanz für die Unterschiedlichkeit der Konzepte, die unter der Überschrift „nachhaltiges Anlageprodukt“ verfolgt werden.

Mit der Offenlegungsverordnung hat der Gesetzgeber den Anlegern ja gerade die Möglichkeit gegeben, sich nicht vom glänzenden Äußeren täuschen zu lassen und Informationen zu den inneren Werten zu erhalten.

Der Autor ist Geschäftsführer des Instituts für Nachhaltige Kapitalanlagen (NKI).

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