Sollten wir weiter zu zögerlich sein, werden wir enden wie die Dinosaurier.
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Jetzt gilt: Konferenz-Call oder kein Kunden-Meeting.

Infrastruktur des Wohlstands

Corona und die Digitalisierung ändern alles

  • vonKarl-Heinz Land
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Wirtschaft und Politik müssen gleichermaßen an geeigneten Lösungen arbeiten, um Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen.

Covid-19 und der daraus resultierende Stillstand hat wie ein Brandbeschleuniger auf die Entwicklungen und die Versäumnisse der vergangenen 30 Jahre gewirkt. Jetzt legt die Corona-Pandemie schonungslos die Systemfehler in unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft offen. Jahrzehntelang haben wir die aufkommenden Krisen ignoriert: Klimawandel, Migration, Mikroplastik und - topaktuell - Massentierhaltung à la Tönnies.

Alles hängt irgendwie mit allem zusammen. Nach Joseph Schumpeter baut jede wirtschaftliche Entwicklung auf dem Prozess der schöpferischen Zerstörung auf. Dies bedeutet, dass alte Strukturen durch eine Neukombination von Produktionsfaktoren verdrängt und anschließend zerstört werden. Die Digitalisierung ist ein solch disruptiver Prozess. Schumpeter war davon überzeugt, dass diese „schöpferische Zerstörung“ dazu dient, Systemfehler zu beheben und eine Neuordnung des Wirtschaftssystems zu ermöglichen.

Erst jetzt wird die Bedeutung des Netzes als „Infrastruktur unseres zukünftigen Wohlstandes“ erkannt. Wer keinen Zugriff auf das Internet hat, kann nicht mehr teilhaben. Jetzt gilt: Homeoffice oder gar keine Arbeit, Konferenz-Call oder kein Kunden-Meeting.

All das wurde durch Corona mit Millionen von Infizierten beschleunigt. Der Wandel begann Mitte der 1990er Jahre mit dem Aufstieg des Internets. Seitdem kam es zur einer Neuverteilung der Welt und zum Abstieg von General Motors, Ford, GE, Exxon & Co. Heute sind sechs der zehn wertvollsten Unternehmen der Welt IT- und Software-Konzerne. Die Wertschöpfung verlagerte sich schon seit dieser Zeit unaufhaltsam aus der physischen Welt ins Digitale, in die Welt der Plattformen, der Software und der Services. Jetzt gilt mehr denn je der „digitale Darwinismus“ oder anders ausgedrückt: anpassen oder untergehen.

Das Fatale und meist Unterschätzte am digitalen Darwinismus ist die Geschwindigkeit der Veränderung, denn die exponenzielle Wirkung des Brandbeschleunigers Covid-19 wirkt nun zusätzlich.

Ja, die Welt wird digitaler und diese Entwicklung wird weiter zunehmen. Wirtschaft und Politik müssen gleichermaßen an geeigneten Lösungen arbeiten, um Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen. Sollten wir weiter zu zögerlich sein, werden wir enden wie die Dinosaurier.

Karl-Heinz-Land, der Autor dieser Kolumne aus unserer Reihe „Gastwirtschaft“, ist Investor, Redner und Kenner der digitalen Transformation.

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