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Der Lithium-Preis ist massiv gestiegen. Zwei Drittel des „weißen Golds“ befinden sich im Boden des Dreiländerecks Argentinien, Bolivien, Chile.

Lithium-Abbau

Indigene schützen: Keine E-Mobilität auf Kosten der Menschenrechte

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Batterien für die E-Mobilität brauchen Lithium. Doch dessen Abbau gefährdet die Existenz der indigenen Kolla. Zeit für die Einsicht, dass Klimagerechtigkeit nicht auf dem Rücken benachteiligter Bevölkerungsgruppen erreicht werden kann.

E-Bikes, E-Roller, E-Autos – Elektromobilität wird von Politik und Industrie als die klimaneutrale Alternative zum Benzin- oder Dieselantrieb gepriesen. Die Bundesregierung geht davon aus, dass in zehn Jahren sieben bis zehn Millionen Elektroautos in Deutschland fahren werden und will auch die dazu nötigen Batterien hierzulande herstellen. Im Dezember 2019 hat die EU dafür eine Förderung in Höhe von 1,25 Milliarden Euro zugesagt.

Gertrud Falk.

Wesentlicher Inhaltsstoff der Batterien ist Lithium. Dessen Preis ist in den letzten Jahren um das Siebenfache gestiegen. Zwei Drittel des „weißen Golds“ befinden sich im Boden des Dreiländerecks Argentinien, Bolivien, Chile, überwiegend in Salzwüsten. Deutsche Bergbauunternehmen wie ACI Systems und K-Utec haben mit Unterstützung des Bundeswirtschaftsministeriums ihre Fühler dorthin ausgestreckt.

Aufgrund des absehbaren Runs auf Lithium werden in dieser Region inzwischen Minen vorbereitet, die zusammen die Fläche Hessens haben. Für den Abbau wird lithiumhaltiges Grundwasser an die Oberfläche gepumpt. Für die Gewinnung einer Tonne Lithium verdunsten in der heißen Wüste zwei Millionen Liter Grundwasser.

In der unwirtlichen Region leben seit Jahrhunderten indigene Kolla. Sie bestreiten ihren Lebensunterhalt von Lamazucht und Gemüseanbau. Weil es selten regnet, ist ihre Existenz komplett vom Grundwasser abhängig. Sie protestieren daher gegen den Lithium-Bergbau, der ihr Menschenrecht auf Wasser verletzt, obwohl das Völkerrecht ihnen besonderen Schutz zugesteht. Staaten sind verpflichtet, Indigene frühzeitig und umfassend über Projekte zu informieren, die ihre Lebensweise beeinträchtigen können und ihre Zustimmung einzuholen.

Gastwirtschaft 

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Gertrud Falk,  Referentin zum Recht auf Wasser der Menschenrechtsorganisation FIAN.

Doch diese Rechte werden überwiegend ignoriert. Nur die Regierung Boliviens hat bisher auf die Proteste reagiert und ein Joint Venture mit der deutschen Firma ACI gekündigt. In Chile und Argentinien klagen Indigene den Schutz ihrer Existenz nun gerichtlich bis zur Interamerikanischen Menschenrechtskommission ein.

Klimagerechtigkeit kann nicht auf dem Rücken benachteiligter Bevölkerungsgruppen erreicht werden. Statt eines simplen Austausches von Motorarten brauchen wir neue Mobilitätsstrategien, umfassend Recyclingkonzepte zur Wiedergewinnung von Rohstoffen sowie gesetzliche Vorgaben zum wirksamen Schutz der Menschenrechte entlang der Lieferketten.  

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