Von ungewollte Vertragsverlängerungen ist fast jeder Vierte betroffen.
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Von ungewollte Vertragsverlängerungen ist fast jeder Vierte betroffen.

Gastwirtschaft

Immer wieder Abo-Fallen

Die Politik sollte Verbraucher:innen besser vor den unlauteren Geschäftsmethoden vieler Unternehmen schützen. Es wäre ganz leicht.

Die Venusfliegenfalle ist eine Meisterin der Verführung. Mit knallroter Farbe, mehr als 60 Duftstoffen und einem glitzernden Nektartropfen lockt die fleischfressende Pflanze Insekten auf ihr Fangblatt – und schnappt zu, sobald die Beute dem attraktiven Angebot folgt.

Meister der Verführung sind meist auch die Werbespezialisten der Firmen, die Handys, Streamingdienste, Zeitschriften oder Strom verkaufen wollen. Mit knalligen Broschüren, Gratismonaten, Rabattaktionen oder Geschenken locken viele Anbieter Verbraucherinnen und Verbraucher in langfristige Verträge. Klickt der Kunde, schnappt nicht selten eine Kostenfalle zu.

Knapp jeder fünfte Verbraucher zahlt für Verträge für Telefon, Streamingdienst, Fitness-Studio oder Strom, die er überhaupt nicht abschließen wollte. Das hat eine aktuelle forsa-Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands ergeben. Von ungewollten Vertragsverlängerungen ist demnach fast jeder Vierte betroffen.

Das ist aktuell besonders bitter. Durch die Coronakrise stehen Verbraucher finanziell unter Druck. Gleichzeitig entsteht Betroffenen allein durch ungewollte Vertragsverlängerungen ein Schaden von durchschnittlich 335 Euro innerhalb von zwei Jahren.

Abhilfe schaffen könnte das Faire-Verbraucherverträge-Gesetz. Doch derzeit blockieren sich Union und SPD gegenseitig. Das ist völlig unbegreiflich. Denn: In den Vertrag rein geht es leicht, da reicht häufig ein Klick. Raus ist es dann viel schwieriger: Mal müssen Kunden eine Hotline anrufen, mal eine Kündigungsvormerkung beantragen – und manchmal behaupten die Anbieter einfach, Kündigung oder Widerruf nicht erhalten zu haben.

Lösungen liegen auf dem Tisch – und sind von den Verbrauchern mehrheitlich erwünscht. 65 Prozent wollen eine Verkürzung des Zeitraums automatischer Vertragsverlängerungen. 90 Prozent fordern einen Kündigungs-Button auf der Firmenwebseite. 95 Prozent wollen, dass Firmen Widerruf oder Kündigung per E-Mail automatisch bestätigen müssen.

Schwarz-Rot sollte diesem Wunsch nachkommen. Weil es das Leben der Menschen einfacher, sicherer und kostengünstiger machen würde. Und weil das Venusfliegenfallenprinzip in der Natur zwar genial ist – für Verbraucher mitunter aber schmerzhaft.

Die Autorin Michaela Schröder leitet das Team Recht und Handel im Verbraucherzentrale Bundesverband.

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