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Humane Digitalisierung

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Von: Karl-Heinz Land

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Wusste wie eine humane Digitalisierung geht: dm-Gründer Götz Werner.
Wusste wie eine humane Digitalisierung geht: dm-Gründer Götz Werner. © Uli Deck/dpa

Der kürzlich verstorbene dm-Gründer Götz Werner wusste wie das geht. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Wenn es um Digitalisierung und Daten geht, denken die wenigsten an Humanismus oder eine gute Firmen- und Führungskultur. Der gerade verstorbene Gründer von dm, Götz Werner, erkannte die Chancen der Digitalisierung, für sich und dm schon vor mehr als drei Jahrzehnten.

Werner nutzte schon seit den frühen 90er Jahren eine große Datenbank, ein sogenanntes „Data Warehouse“, als Informationssystem für das noch junge, aber schnell wachsende Unternehmen. Auch andere Firmen setzten auf sogenannte EIS Systeme (Executive Information Systeme), auf deutsch „Manager Informations Systeme“. Doch Werner interpretierte das „E” als Synonym für Employee – und schuf damit ein „Mitarbeiter Informations System“.

Getreu seiner Philosophie „den besten Service für den Kunden“ sollten Mitarbeiter:innen in der Filiale, die Bedarfe seiner Kunden am besten kennen. Somit stellte sich die Frage nach einem Informationssystem, dass seine Beschäftigten „ermächtigte“, die Kundenwünsche frühzeitig zu erkennen, um die für die Kund:innen besten Entscheidungen treffen zu können. Es ging um die Demokratisierung von Entscheidungen, jenseits von jeder Hierarchie. Es ging um bessere Skalierung und Geschwindigkeit des Unternehmens und um mehr Vertrauen in die Entscheidungen der Mitarbeiter:innen. Werner erzog mit diesem zentralen Steuerungssystem die schnell wachsende Anzahl der Beschäftigten zu selbst denkenden und eigenverantwortlich Handelnden, „Unternehmern“, im Unternehmen. Die Folgen: Wertgeschätzte, mitdenkende, engagierte und freundliche Mitarbeiter:innen.

Wo andere Konzerne und Unternehmen im Handel und der Industrie, „Reporting-Wüsten“ für die Führungselite und Kontrollsysteme für Beschäftigte schufen, schuf Werner die Basis für engagierte und selbstbewusste Mitarbeiter:innen und eine der bemerkenswertesten Firmenkulturen der Branche. Werner brachte mit seiner Vision vom „Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein“, die Haltung des Unternehmens zum Ausdruck, das sich in sämtlichen Beziehungen zu Kund:innen, Mitarbeiter:innen und Handelspartnern bis hin zur Umwelt konsequent dem Gedanken der Mitmenschlichkeit und Partnerschaftlichkeit verpflichtet fühlt. Technologie nutze er dabei als Mittel zum Zweck und schuf damit auch eine der größten Erfolgsgeschichten des deutschen Einzelhandels.

Karl-Heinz Land ist Autor, Investor und Redner.

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