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Hilfen statt heißer Luft

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Von: Dagmar Pruin

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Neben einer angemessenen Finanzierung für die Anpassung an den Klimawandel und humanitäre Hilfe sind neue Finanzmittel der Weltgemeinschaft für Loss and Damage unverzichtbar.
Neben einer angemessenen Finanzierung für die Anpassung an den Klimawandel und humanitäre Hilfe sind neue Finanzmittel der Weltgemeinschaft für Loss and Damage unverzichtbar. © Christoph Soeder/dpa

Die Klimakrise ist die größte Gerechtigkeitsfrage: Neben einer angemessenen Finanzierung für die Anpassung an die Erderwärmung und humanitäre Hilfe sind zusätzliche neue Finanzmittel für klimabedingte Schäden und Verluste unverzichtbar. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Erneuerbare Energien sind für UN-Generalsekretär António Guterres die letzte Rettung. Das hat er auf der diesjährigen Weltklimakonferenz betont. Denn derzeit steuern wir auf eine Erderwärmung von 2,5 Grad zu, so der Emissions-Gap-Report 2022 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep). Um das 1,5-Grad-Limit von Paris überhaupt noch einhalten zu können, müssen fossile Energieträger zurückgefahren werden. Emissionen lassen sich bis 2030 nur vermindern, wenn erneuerbare Energien noch rascher ausgebaut werden.

Aber mindestens genauso wichtig ist, dass die reichen Staaten ihre Verantwortung wahrnehmen: Sie müssen die ärmsten Staaten stärker finanziell bei der Anpassung an den Klimawandel unterstützen, denn diese sind die Leidtragenden und brauchen Hilfen für die Bewältigung von klimabedingten Schäden und Verlusten (Loss and Damage).

In Scharm el Scheich ist es immerhin gelungen, einen Fonds für Klimaschäden zu beschließen, in den die Industriestaaten einzahlen sollen. Aber auch Schwellenländer wie China oder ölexportierende Entwicklungsländer wie Saudi-Arabien dürfen sich nicht weiterhin aus der Verantwortung ziehen und müssen Ausgleichzahlungen für Klimaschäden leisten.

Die Klimakrise ist die größte Gerechtigkeitsfrage unserer Zeit: Die Länder des globalen Südens sind zwar von den Folgen des Klimawandels extrem betroffen, haben diesen aber nicht verursacht. Sie haben zudem schlechteren Zugang zu Kapitalmärkten und werden dort dafür bestraft, dass sie Klimarisiken ausgesetzt sind. Teure Kredite für Anpassungsmaßnahmen und kaum zu bewältigende Klimaschäden treiben sie in eine noch höhere Verschuldung.

Ohne die Bereitstellung einer Finanzierung für Klimaschäden und eine angemessene Anpassungsfinanzierung werden sich die afrikanischen Staaten südlich der Sahara in den nächsten zehn Jahren zusätzlich um eine Billion US-Dollar verschulden. Schon heute befinden sich 54 Staaten des globalen Südens in einer finanziellen Krisensituation.

Um Gerechtigkeit herzustellen, sind nicht nur warme Worte erforderlich. Neben einer angemessenen Finanzierung für die Anpassung an den Klimawandel und humanitäre Hilfe sind zusätzliche neue Finanzmittel für Loss and Damage unverzichtbar.

Die Autorin ist Präsidentin von „Brot für die Welt“ und der Diakonie Katastrophenhilfe.

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