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In vielen Arbeitsverträgen von Angestellten in der Gastronomie ist keine genaue Arbeitszeit vermerkt.
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In vielen Arbeitsverträgen von Angestellten in der Gastronomie ist keine genaue Arbeitszeit vermerkt.

Corona-Krise

Hilfen genauer zuschneiden

Was die Politik in Krisen beachten muss. Die Gastwirtschaft.

Mit der plötzlich auftauchenden Pandemie und ihren wirtschaftlichen Folgen war in 2020 besonders schnelles politisches Handeln gefragt. Dabei offenbarte die Situation ein generelles Problem von (Wirtschafts-)Politik: Wir leben in einer diversen Gesellschaft mit vielen unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsformen. Wirtschaftspolitische Maßnahmen, die sich nur auf die Situation einer Gruppe konzentrieren, greifen zu kurz.

Nehmen wir das Beispiel Kurzarbeit. Diese Maßnahme hat unter anderem das Ziel, Arbeitslosigkeit einzudämmen. Sie adressiert also dem Anspruch nach alle Beschäftigten. Auf den ersten Blick lässt sich diesbezüglich ein klarer Erfolg feststellen: Während der Pandemie stieg die Arbeitslosigkeit in Deutschland weniger als befürchtet – auch dank der Kurzarbeit.

Bei genauerem Hinsehen fällt jedoch auf, dass von der Planung bis zur Durchführung vom Normalarbeitsverhältnis ausgegangen wird, also einer Festanstellung mit geregelten Arbeitszeiten. Laut der Bundesagentur für Arbeit trifft diese Annahme auch auf die meisten Arbeitsverhältnisse zu, genauer auf 70 Prozent. Doch was ist mit den restlichen 30 Prozent?

Dazu gehören zum Beispiel Selbstständigkeit, Leiharbeit oder auch Arbeitsverträge, in denen keine genaue Arbeitszeit vermerkt ist. Gerade in der von den Shutdowns betroffenen Gastronomie sind solche Verträge üblich. Hilfen für die Erwerbstätigen der meisten dieser Arbeitsverhältnisse wurden jedoch nicht bereitgestellt. Natürlich kann Politik nicht auf jeden Einzelfall eingehen, aber bei 30 Prozent der Beschäftigten handelt es sich nicht mehr um Einzelfälle.

Zwar ist dieses knappe Drittel auch eine heterogene Gruppe, aber es ist statistisch erfasst, in welche Unterkategorien sie sich einteilen lässt. Dieses Wissen kann genutzt werden, um die Politikmaßnahme Kurzarbeit besser auf die jeweiligen Bedürfnisse zuzuschneiden. Die Frage, wie sich Adressat:innen unterscheiden, hilft dabei, möglichst viele zu erreichen.

Es sollte also geklärt werden, wie sich die Adressat:innen einer Politikmaßnahme unterscheiden und wie möglichst alle erreicht werden können. Gibt es andere gesellschaftliche Gruppen, die unbeabsichtigter Weise negative Konsequenzen spüren werden? Eine solche Analyse lässt sich in der Durchführung der wenigsten wirtschaftspolitischen Maßnahmen erkennen. Sie würde aber der vielfältigen Gesellschaft, in der wir leben, entsprechen.

Von Luisa Jentsch

Luisa Jentsch ist Mitglied im Netzwerk Plurale Ökonomik e.V.

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