Negativzinsen sind der einzige Weg, weitere Verschuldung zu stoppen.
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Negativzinsen sind der einzige Weg, weitere Verschuldung zu stoppen.

Vermögen

Her mit den Negativzinsen!

  • Beate Bockting
    vonBeate Bockting
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Nur so ist die weitere Verschuldung zu stoppen, ohne dass es zu sozialen Verwerfungen kommt.

Die Corona-Krise führt uns eindrucksvoll vor Augen, dass der Staat sich im herrschenden System verschulden muss, wenn die Unternehmen zu wenig investieren oder die privaten Haushalte zu viel sparen. Im Euroraum stieg die Sparquote der privaten Haushalte im zweiten Quartal auf 13,5 Prozent. Ihre täglich fälligen Einlagen nahmen um 152,7 Milliarden Euro zu. Die Deutschen hatten hier den größten Anteil, ihre Sparquote explodierte von zwölf auf 21 Prozent des verfügbaren Einkommens. Genau deshalb wurde die massive Ausweitung der Staatsverschuldung notwendig.

Doch wer ist in der Krise in der Lage zu sparen? Die Mehrheit der Haushalte nicht. Viele haben Einkommenseinbußen zu verkraften, während Fixkosten wie Miete, Lebenshaltung und Kredite weiterlaufen. Die Ersparnis sammelt sich bei den Vermögenden.

In dieser Situation kommt es ganz entscheidend darauf an, dass die Zinsen gesenkt werden. In einer Rezession dürften die Vermögen sich nicht weiter vermehren, sie müssten an den Kosten der Krise angemessen beteiligt werden. Ein Negativzins auf „geparkte“ Liquidität ermöglicht dies. Wer sein Geld ausgibt, ist davon nicht betroffen. Bisher unterliegt nur ein Bruchteil der täglich fälligen Einlagen einer negativen Verzinsung.

Stattdessen wächst im Euroraum die Verschuldung. Firmen brauchen neue Kredite zur Finanzierung laufender Ausgaben statt für Investitionen. Sie zahlen dafür durchschnittlich immer noch 1,51 Prozent Zinsen. Altkredite kosten noch mehr. Und auch die Durchschnittsrendite der staatlichen Schuldverschreibungen liegt immer noch bei 1,9 Prozent.

Diese Zinsbelastung muss eine Wirtschaft tragen, die laut den Projektionen der Europäischen Zentralbank in diesem Jahr mit einer Schrumpfung des realen Bruttoinlandsprodukts von acht Prozent zu kämpfen hat! Zwar fließen Zins und Tilgung der Staatsanleihen mittlerweile zu großen Teilen an die Zentralbank, die zum größten Gläubiger der Staaten avanciert ist. Doch sie kauft den früheren Gläubigern die Anleihen zu überhöhten Preisen ab, was wiederum zu Blasen auch bei anderen Vermögenswerten wie Immobilienpreisen führt.

Wann kommen endlich effektivere Negativzinsen, die allein perspektivisch die Schuldenausweitung stoppen können, ohne dass es zu sozialen Verwerfungen kommt?

Die Autorin ist stellvertretende Vorsitzende der Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung.

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