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Hand in Hand in Afrika

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Von: Tillmann Elliesen

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Die EU und China sollten auf dem Kontinent zusammenarbeiten, nicht gegen einander. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Chinesisch-afrikanische Kooperation: Eisenbahnbau in Kenia.
Chinesisch-afrikanische Kooperation: Eisenbahnbau in Kenia. © dpa

Als Ursula von der Leyen vor gut zwei Jahren als Präsidentin der EU-Kommission antrat, sagte sie, Europa müsse in einer zunehmend unsicheren Welt kraftvoller seine Interessen verfolgen. Sie wolle deshalb eine „geopolitische Kommission“ schaffen, erklärte die Christdemokratin. Das spiegelt sich auch in der europäischen Afrikapolitik, vor allem in der Initiative „Global Gateway“, die die Kommission Ende des vergangenen Jahres vorgestellt hat. Dahinter verbirgt sich ein 300 Milliarden Euro schweres Paket für Investitionen in Infrastruktur wie Straßen, Häfen, Eisenbahnen und Energienetze in Entwicklungsländern weltweit. Die Hälfte davon soll nach Afrika fließen. Das klingt erst einmal gut, hat allerdings zwei Haken: Zum einen weiß in Brüssel niemand, woher das Geld kommen soll: „Global Gateway“ ist bislang nicht mehr als ein vollmundiges Versprechen.

Zum anderen versteht die Kommission ihre Initiative ausdrücklich als Konkurrenzveranstaltung zum wirtschaftlichen Engagement Chinas in Afrika. Chinesische Unternehmen und Banken, staatlich und privat, investieren seit vielen Jahren Unsummen in die Infrastruktur und den Abbau von Rohstoffen wie Kupfer und Kobalt in vielen afrikanischen Staaten. Peking versteht das als Teil seiner „Neuen Seidenstraße“: Mit Investitionen und wirtschaftlicher Zusammenarbeit will die Volksrepublik ihren wirtschaftlichen Einfluss über den Globus ausdehnen.

Mit „Global Gateway“ versucht Europa jetzt dasselbe, um China Paroli zu bieten. Anders als Peking gehe es der EU dabei allerdings auch um Werte wie Demokratie und Nachhaltigkeit, betont die Kommission. Dennoch führt dieser Weg in die falsche Richtung. Viel besser wäre es, Europa und China würden in Afrika aufeinander zugehen, statt um Vorherrschaft zu buhlen. Gemeinsam mit den afrikanischen Staaten sollten sie ausloten, wie eine Zusammenarbeit zum Vorteil aller aussehen könnte. Studien zufolge gäbe es da zum Beispiel Möglichkeiten, eine klimafreundliche Stromversorgung in Afrika voranzubringen – und zwar so, dass auch chinesische und europäische Industrien davon profitieren.

Gerade angesichts des Ukraine-Krieges sollten China und die EU in Afrika zusammenrücken und nicht eine weitere geopolitische Arena eröffnen. Das kann sich die Welt schlichtweg nicht leisten.

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