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Was nützen drei bis vier Prozent niedrigere Zinsen, wenn sich die Immobilienpreise im gleichen Zeitraum verdoppelt haben?

Häuslebauer

Hauskauf zu Negativzinsen?

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Kredite gibt es zum Schleuderpreis, dafür sind Grundstücke bald unerschwinglich. Die Politik muss endlich mit einer effektiven Bodenwertsteuer gegensteuern. Die Wirtschaftskolumne.

Seitdem alles auf weitere Zinssenkungen hindeutet, geraten sogar negative effektive Bauzinsen in Sichtweite. In Dänemark bieten schon Banken Kredite an, bei denen die Kreditnehmer am Ende Geld verdienen. Angeblich bereiten auch deutsche Banken negativ verzinste Baukredite vor.

2007, vor Ausbruch der Finanzkrise, lag der durchschnittliche effektive Jahreszins für Wohnungsbaukredite von über zehn Jahren noch bei über fünf Prozent – im Juni nur noch bei 1,61 Prozent. Diese an sich erfreuliche Entwicklung wird leider durch die steigenden Bodenpreise konterkariert. Was nützen drei bis vier Prozent niedrigere Zinsen, wenn sich die Immobilienpreise im gleichen Zeitraum verdoppelt haben? Reichte einer jungen Familie 2007 noch ein Kredit von 125.000 Euro, so braucht sie heute 250.000 Euro.

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Beate Bockting, stellvertretende Vorsitzende der Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung.

Der kleinere Kredit von 2007 zu fünf Prozent Effektivzins erforderte Zinszahlungen von über 50.000 Euro (!), ist aber in rund 15 Jahren abbezahlt. Für den heute benötigten Kredit von 250.000 Euro zu 1,0 Prozent zahlt die Familie zwar „nur“ 30 000 Euro Zinsen. Dafür ist das gleiche Haus aber 125.000 Euro teurer und erst in 25 Jahren abbezahlt!

Bei -1,0 Prozent Negativzins müsste die Familie dagegen von den 250.000 Euro über 20 Jahre nur rund 225.000 Euro zurückzahlen. Wäre ein solcher Kredit bereits 2007 möglich gewesen, als erst 125.000 Euro gebraucht wurden, könnte sie bereits seit 2017 glücklich und unverschuldet in den eigenen vier Wänden leben, für insgesamt nur 112.000 Euro.

Beate Bockting.

Die sinkenden Zinsen sind gut, denn sie entlasten die gesamte Wirtschaft von Kosten, auch die Häuslebauer und -käufer. Nicht gut jedoch sind die steigenden Vermögenspreise, besonders die steigenden Bodenpreise. Die Politik ist fast blind für die Zusammenhänge zwischen Geldpolitik und Bodenordnung. Sie war unfähig, auf die stark veränderten Rahmenbedingungen richtig zu reagieren. Gerade sinkende Zinsen erfordern eine effektive Bodenwertsteuer, damit Spekulation verhindert und der Anstieg der Bodenpreise abgebremst wird. 

Eine verkorkste Grundsteuerreform kann nichts weiter sein als Feigenblatt-Politik, hinter der die Unzulänglichkeit versteckt wird. Überzeugen kann nur eine Politik, die Geld, Boden und Ressourcen konsequent zusammendenkt, wie die Freiwirtschaft das in ihrer über hundertjährigen Tradition immer getan hat.

Lesen Sie auch: Wenn der Kredit Zinsen abwirft - die KfW denkt darüber nach, Negativzinsen an Häuslebauer und Unternehmen weiterzugeben.

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