Gastwirtschaft

Gute Arbeit, gutes Klima?

  • Christine Ax
    vonChristine Ax
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Wer sich mit dem Zusammenhang von Wachstum und Ressourcenverbrauch beschäftigt hat, muss misstrauisch werden, wenn die Politik uns jetzt eine Quadratur des Kreises verspricht.

Nun muss die Wirtschaft bei uns aber wieder so richtig wachsen, sagt die Politik. Und sie verspricht auch: Das Wachstum soll dem Klimaschutz dienen. Immerhin hat sich (nach nur 30 Jahren) herumgesprochen, dass die Folgen des Klimawandels und des Artensterbens weit schlimmer sind als diese Pandemie. Aber geht das auch?

Wer sich mit dem Zusammenhang von Wachstum und Ressourcenverbrauch beschäftigt hat, muss misstrauisch werden, wenn die Politik uns jetzt eine Quadratur des Kreises verspricht. Denn unser Problem ist: Jeder Euro, der heute ausgegeben oder investiert wird, ist mit einem viel zu hohen Energie- und Ressourcenverbrauch verbunden. Und je früher dieser Euro ausgegeben wird, desto schädlicher ist das. Denn es braucht nicht nur Geld, sondern vor allem auch Zeit, um unsere Wirtschaft und Gesellschaft so umzubauen, dass dieser Zusammenhang schwindet.

Corona wäre also eine Chance, wenn wir daraus die richtigen Lehren ziehen. Denn wirklich umwelt- und klimaverträglich sind nur Ausgaben und Investitionen, die an die Bedingung gekoppelt sind, dass der Energie- und Ressourcenverbrauch sinkt. Das erfordert Ausgaben und Investitionen, die ausschließlich der Verhinderung von CO2-Emissionen, der Senkung des Ressourcenverbrauchs und/oder die Fähigkeit der Natur zur Reproduktion – also auch dem Artenschutz – dienen.

Der Deal, den die Europäische Union verhandelt hat, erfüllt diese Kriterien allerdings nicht. Und das gilt auch für das Konjunkturprogramm der Bundesregierung. Wenn wir also die Klimawende wirklich schaffen wollen, müssen wir jetzt in vielen Bereichen auf Suffizienz setzen. Müssen das gegenwärtig sehr hohe Wohlstandsniveau halten und das mit sozialen und beschäftigungspolitischen Maßnahmen absichern, die uns zukunftsfähig machen.

Die Forscher, die sich mit den Transformationsszenarien in eine „Nach-dem-Wachstum“-Welt beschäftigt haben, fordern sämtlich eine sozial gerechte Umverteilung von Arbeit. Abgemildert werden kann der Strukturwandel durch eine Europäisierung und Re-Regionalisierung der Wertschöpfungsketten und mit einem Grundeinkommen, das dazu beiträgt, dass gute Arbeit - die Freude macht - gefördert wird und Tätigkeiten besser bezahlt werden, die krank und unglücklich machen.

Christine Ax ist Ökonomin und Philosophin.

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