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Vom Freibetrag sollten alle Empfänger von Grundsicherung profitieren - egal, wie lange sie eingezahlt haben, fordert Verena Bentele.

Kranke nicht vergessen

Das Grundrenten-Konzept muss reformiert werden

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Es gibt viele Menschen, die wegen einer Krankheit Rente beziehen und nicht auf die nötigen 33 Grundrente-Jahre kommen. Sie gehen nach den aktuellen Plänen leer aus. Die „Gastwirtschaft“.

Kommen wir zunächst zur positiven Nachricht: Von der geplanten Grundrente sollen ab 2021 rund 1,4 Millionen Rentnerinnen und Rentner profitieren. Der ein oder andere wird sich fragen, warum nicht mehr als drei Millionen Menschen einen Aufschlag auf ihre geringe Renten erhalten, wie ursprünglich geplant? Dies liegt vor allem an der (Haushalts-)Einkommensprüfung.

Verena Bentele

Auch wenn der VdK den früheren Plan ohne Einkommensprüfung unterstützte, ist der Kompromiss tragbar. Das Hauptziel wurde erreicht: Es wird keine Bedürftigkeitsprüfung wie bei der Grundsicherung im Alter geben. Das wird zum Glück nicht kommen und dafür hat auch der VdK hart gekämpft. Außerdem wird die Einkommensprüfung vollautomatisch erfolgen. Die Rentnerinnen und Rentner müssen für die Grundrente in der Regel keine Dokumente einreichen.

Mit seiner Rentenkampagne #Rentefüralle setzt sich der VdK dafür ein, dass Menschen nach einem Leben voller Arbeit im Alter nicht in Armut leben. Hier kommen wir jedoch zur negativen Nachricht: Es wird auch in Zukunft Rentnerinnen und Rentner geben, die trotz Grundrente Grundsicherung beantragen müssen. Denn von dem Grundrentenzuschlag werden wieder 12,5 Prozent abgezogen. Aus Sicht des VdK ist das nicht nachvollziehbar.

Dagegen ist positiv, dass alle Grundsicherungsempfänger bis zu 212 Euro von ihrer Rente behalten dürfen, wenn sie die Voraussetzungen für die Grundrente erfüllen. Negativ jedoch auch hier: Dies gilt erst ab 33 „Grundrentenjahre“. Deshalb fordern wir, dass alle Rentner von einem solchen Freibetrag profitieren, egal wie lange sie einbezahlt haben. Denn es gibt viele Menschen, die wegen einer Krankheit eine Rente beziehen und gar nicht auf 33 Jahre kommen. Sie gehen nach den aktuellen Plänen wieder einmal leer aus.

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland.

Deshalb ist unsere Botschaft an die Politik klar: Auch Zeiten der Erwerbsminderungsrente müssen bei der Grundrente berücksichtigt werden. Wenn jemand krankheitsbedingt nicht arbeiten kann, darf er im Alter nicht auch noch dafür bestraft werden.

Und am Ende ist allen Beteiligten auch klar: Solche Instrumente wie die Grundrente dürfte es in einem so reichen Land wie Deutschland gar nicht geben. Wir brauchen endlich einen Mindestlohn von über zwölf Euro und ein stabil hohes Rentenniveau. Ziel muss es sein, dass alle, die ein Leben lang gearbeitet haben, im Alter von ihrer Rente leben können.

Gastbeitrag von Verena Bentele

Im Februar 2020 hat das Bundeskabinett die Grundrente beschlossen. Am 1. Januar 2021 soll die Grundrente in Kraft treten - das Prestige-Projekt der SPD soll nach langem Streit in der Koalition umgesetzt werden.

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