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Die einfache Form der grünen Geldanlage: Bio-Brot kaufen.

Nachhaltige Geldanlage

Grünes Dickicht

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„Socially Responsible Investment“, „Environment Social Governance“, „Best in Class“ - blicken Sie noch durch? Wer sein Geld mit gutem Gewissen investieren will, hat es nicht leicht. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Nachhaltige Investments sind seit Jahren ein Dauerbrenner in der Diskussion über die „richtige“ Geldanlage. Vor fast 25 Jahren veröffentlichte die Stiftung Warentest einen ersten Vergleich von grünen Investmentfonds für Privatanleger. Damals gab es ein Dutzend solcher Produkte, inzwischen gibt es Hunderte. Keine Frage, der Markt ist enorm gewachsen. Das Interesse auch.

Nach einer Umfrage von 2018 im Auftrag  der Union Investment halten 46 Prozent der Anleger grüne Investments für attraktiv. Doch andererseits war für drei von zehn Befragten das Angebot an „grünen Geldanlagen“ undurchschaubar. Die Finanzaufsicht Bafin hat jetzt ebenfalls zu dem Thema nachgefragt. Demnach sind sogar 90 Prozent der Verbraucher bereit, nachhaltig zu investieren. Aber 62 Prozent der Befragten können den Begriff nachhaltige Geldanlage gar nicht erklären.

Wolf Brandes.

Das ist nicht verwunderlich: Kaum ein Feld der Kapitalmärkte ist so vielschichtig und kompliziert wie das der nachhaltigen Geldanlage. Seit Jahren wird um die richtigen Kriterien für die Auswahl von grünen Aktien und Anleihen gerungen. Zudem wird in kaum einem Segment so mit Abkürzungen um sich geworfen wie in diesem. Mal geht es um SRI – das steht für „Socially Responsible Investment“, also gesellschaftlich verantwortliche Kapitalanlagen. Mal um ESG, die Abkürzung für „Environment Social Governance“, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Heiß diskutiert ist auch der Best-in-Class-Ansatz, wonach die vorbildlichsten Firmen einer Branche ausgewählt und somit auch in zweifelhaften Branchen „grüne“ Unternehmen herausgefiltert werden.

So viele Kriterien und Ansätze machen die Entscheidung für einen Anleger, der beispielsweise mal 10.000 Euro grün investieren will, nicht einfach.

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil.

Heute: Wolf Brandes, Teamleiter „Marktwächter Finanzen“ bei der Verbraucherzentrale Hessen.

Dann doch lieber eine Windkraftbeteiligung zeichnen statt einen (vermeintlich) ethisch-ökologischen Aktienfonds zu kaufen? Doch das schafft neue Probleme: Bei Beteiligungen und Direktinvestments begeben sich die Verbraucher in wenig regulierte Nischen des Kapitalmarktes. Hier ist man im Grün-Grauen Kapitalmarkt mit hohen Risiken und geringer Handelbarkeit unterwegs. Da gilt es noch genauer hinzusehen. Wer also grün investieren will, kommt nicht drum herum, sich mit den Angeboten intensiv zu beschäftigen. Ganz so einfach, wie ein Bio-Brot zu kaufen, ist die Sache nicht.

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