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GASTWIRTSCHAFT

Grüne Geldpolitik

Wie die EZB wirklich klimafreundlich wird.

Es wird immer wieder gefordert, dass das geldpolitische Instrumentarium der Europäischen Zentralbank (EZB) im Hinblick auf den sich beschleunigenden Klimawandel reformiert werden soll. Die Kritik entzündet sich besonders am CO2-lastigen EZB-Aufkaufprogramm für Unternehmensanleihen. Zentralbankpräsidentin Christine Lagarde gilt gemeinhin als eine Befürworterin einer Finanzarchitektur, die den Kampf gegen den Klimawandel konstruktiv unterstützt. Es ist zu erwarten, dass die EZB nach Abschluss ihrer Strategiereform mit einer Änderung von Ankaufkriterien für Unternehmensanleihen aufwarten wird.

Dieser Schritt ist überfällig und grundsätzlich zu begrüßen. Aber: Unternehmensanleihen sind für die EZB nur ein Nebengeschäft. Lediglich sieben Prozent des Wertpapierbestandes des Eurosystems sind Unternehmensanleihen. Dagegen schlagen Anleihen von öffentlichen Schuldnern, ganz überwiegend Staatsanleihen aus der Eurozone, mit 84 Prozent zu Buche.

Wenn über klimafreundliche Geldpolitik gesprochen wird, darf man den größten Brocken nicht außer Acht lassen. Denn nicht nur hält das Eurosystem vor allem Staatsanleihen. Darüber hinaus sind es gerade die Regierungen, die über das Instrumentarium verfügen, auch andere Wirtschaftsakteure durch Regulierung und Steueranreize zu klimakompatiblerem Verhalten anzuregen.

Es gibt mittlerweile Indizes, die Klimarisiken bei Staatsanleihen integrieren und die die EZB zur neuen Gewichtung ihrer Staatsanleihenkäufe nutzen könnte. Solche Indizes werden bereits von Vermögensverwaltern wie Blackrock genutzt. Was für ein gewinnmaximierendes globales Unternehmen wie Blackrock möglich ist, soll für die Europäische Zentralbank, die durch einen Staatsvertrag den politischen Zielen der EU verpflichtet ist, nicht erreichbar sein?

Eine solche Neuausrichtung ist ein eminent politisches Thema. Es wird Gewinner und Verlierer geben. Zu letzteren dürfte auch Deutschland gehören, wegen seines hohen Anteils der Kohleverstromung. Wenn die Europäische Zentralbank den ultimativen Beweis erbringen will, dass sie, wie rechtlich vorgesehen, tatsächlich von der Politik unabhängig ist, dann hat sie hier also eine großartige Gelegenheit, es allen Zweiflern zu beweisen.

Der Autor ist Koordinator Sustainable Finance bei der Initiative Neues Wirtschaftswunder und Dozent am House of Finance der Goethe-Universität Frankfurt.

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