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Grün und fair

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Von: Tillmann Elliesen

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Bislang gibt es in Deutschland noch nicht ausreichend viele Speicher für Wasserstoff.
Ist Wasserstoff die Lösung? © PantherMedia/Alexander kirch

Es darf nicht so laufen wie mit anderen Rohstoffen, dass Afrika billig liefert und die Bevölkerung nichts oder nur Nachteile davon hat. Worauf es beim Wasserstoff vom Nachbarkontinent ankommt. Die Kolumne „Gastwirtschaft“. 

Deutsche Unternehmen wollen in den nächsten Jahren Milliarden Euro in Namibia und Angola in die Produktion von grünem Wasserstoff investieren. Das hochentzündliche Gas wird durch Elektrolyse gewonnen: Unter Einsatz von Energie wird Wasser in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff zerlegt. Der Wasserstoff wird aufgefangen, kann gelagert und transportiert werden. In ihm gespeichert ist ein großer Teil der zuvor eingesetzten Energie. Grüner Wasserstoff gilt als wichtige Alternative für Gas, Öl und Kohle, vor allem dort, wo eine direkte Elektrifizierung nicht möglich ist, etwa in der Schwerindustrie oder für Flugzeugtriebwerke.

Deutschland setzt auf Wasserstoffimporte aus Afrika. Sie sollen helfen, von den fossilen Energien etwa aus Russland oder den Golfstaaten unabhängiger zu werden. Fachleute sehen Länder wie Angola und Namibia als wichtige zukünftige Wasserstoff-Produzenten, weil es dort ein großes Potenzial an kostengünstiger Energie aus Sonne, Wind und Wasser gibt.

Doch es gibt einen Haken: In Afrika haben rund 600 Millionen Menschen keinen Zugang zu einer zuverlässigen Stromversorgung. Macht es angesichts dieser Versorgungslücke überhaupt Sinn, über Wasserstoffexporte aus Afrika nach Deutschland nachzudenken?

Ja, macht es, man muss es nur richtig anpacken. Ganz wichtig: Der für den Export bestimmte Wasserstoff darf nicht mit der Energie bestehender Sonnen-, Wind- oder Wasserkraftwerke produziert werden, denn die würde sonst für den heimischen Bedarf fehlen. Wer in Afrika Wasserstoff produzieren und nach Deutschland verkaufen will, muss dafür zusätzliche Kraftwerke errichten.

Und noch besser wäre es, die beteiligten Unternehmen würden darüber hinaus in erneuerbare Energien für die lokale Bevölkerung etwa in Angola oder Namibia investieren. Dann hätte die auch etwas davon, dass ihre Länder in die Wasserstoffproduktion einsteigen.

Freiwillig werden Investoren das kaum machen. Die Bundesregierung und die Regierungen in Afrika müssen die Unternehmen deshalb dazu verpflichten und das auch durchsetzen. Es darf nicht so laufen wie mit anderen Rohstoffen, dass Afrika billig liefert und die Bevölkerung nichts oder nur Nachteile davon hat. Wer Wasserstoff aus Afrika will, muss dafür sorgen, dass er nicht nur grün, sondern auch fair ist.

Der Autor ist Redakteur beim

Magazin „Welt-Sichten“,

www.welt-sichten.org

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