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Ende Oktober scheidet EZB-Chef Mario Draghi aus dem Amt, Nachfolgerin wird Christine Lagarde.

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Grazie, Mario!

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Acht Jahre lang führte Draghi die EZB. Unterm Strich zeigt das Gesamtwerk eine Eurozone, die immer noch lebt.  Die Wirtschaftskolumne.

In zwei Wochen endet eine Ära. Mario Draghis Amtszeit als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) geht nach acht Jahren zu Ende. Für die einen ist er ein Messias, der die Eurozone vor dem Untergang bewahrt hat; für die anderen ein geldpolitischer Beelzebub, der mit dem Feuer spielt. Am Ende seines Wirkens überschlagen sich vor allem in Deutschland die Emotionen. Es ist Zeit, die Geldpolitik wieder zu ent-emotionalisieren.

Die Amtszeit von Draghi ist mehr als nur die letzten Wochen. Mit etwas Abstand werden auch die Kritiker sehen, dass die EZB unter Mario Draghi erwachsener und reifer geworden ist. Mario Draghi hat es geschafft, mit wenigen Worten die Eurozone vor dem Untergang zu bewahren, als Spekulanten ihr 2012 an den Hals wollten. Die mittlerweile historische Aussage „whatever it takes“ wird nicht nur in die Geschichtsbücher eingehen, sondern gilt wohl auch als Leitmotiv von Mario Draghis Jahre an der Spitze der EZB.

Gastwirtschaft: Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Carsten Brzeski,  Chefvolkswirt der Bank ING in Frankfurt.

Ein EZB-Präsident, der sich nicht vor unpopulären Maßnahmen scheute, wie das Zurückdrehen der Zinserhöhungen seines Vorgängers Jean-Claude Trichet beim allerersten EZB-Treffen unter seiner Leitung. Ein Präsident, der wie kein anderer die Materie bis in das kleinste Detail kennt. Ein Präsident, der das Instrumentarium der EZB stark erweitert hat. Instrumente, die durch die Urteile des EuGH auch den nächsten Generationen von Notenbankern zur Verfügung stehen werden. Zu guter Letzt ein EZB-Präsident, unter dem die Kommunikation der EZB professioneller geworden ist. Es gibt keine verbalen Ausrutscher mehr.

Eurozone vor dem Abgrund gerettet, geldpolitische Werkzeugkiste erweitert, Konjunktur stabilisiert, EZB von der Bundesbank emanzipiert. Was will man mehr? Deutlich ist, dass Draghi seinen Willen immer wieder gegen Widerstände durchgesetzt hat. Negative Wirkungen seiner Maßnahmen wurden ignoriert. Dadurch ist deutlich böses Blut geflossen, das mit der Eskalation der vergangenen Wochen endete.

Ob die letzten Entscheidungen im September nun das Resultat von erneut meisterlichen Einsichten, von Analyse oder von Selbstüberschätzung und gewisser Starrsinnigkeit waren, wird man erst im nächsten Jahr mit Gewissheit sagen können. Bis dahin überwiegt für mich das Gesamtwerk der letzten acht Jahre - und das zeigt eine Eurozone, die immer noch lebt. Grazie, Mario!

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