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Noch schlimmer als ausgebeutet zu werden, ist gar nicht zu arbeiten.

Gastwirtschaft

Freiheit und Unterwerfung

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Zum Risiko eines globalen Grundeinkommens. Die Wirtschaftskolumne „Gastwirtschaft“.

Auf die asiatischen Textilarbeiterinnen, deren katastrophale Beschäftigungsumstände zuletzt für große Empörung gesorgt hatten, könnte bald weiteres Leid zukommen. Mit großem Tempo schreitet auch in den Weltmarktfabriken die Automatisierung voran. Mit dem Verlust der sklavenähnlichen Arbeit droht vielen der Verlust jeglicher Existenzsicherung. Offenbar gibt es heute etwas, das noch schlimmer ist, als ausgebeutet zu werden, nämlich nicht mehr ausgebeutet zu werden, der globalisierten Ökonomie überflüssig zu werden.

Thomas Gebauer, Sprecher der Stiftung Medico International.

Die Frage, wie der rasant zunehmenden Verunsicherung von Menschen begegnet werden kann, zählt zu den großen Herausforderungen der Gegenwart. Angesichts von eskalierenden Gewaltverhältnissen und millionenfacher Migration verwundert es nicht, wenn sich inzwischen auch das Weltwirtschaftsforum besorgt zeigt und über die Einführung eines Grundeinkommens nachdenkt. Doch nicht das universelle Recht auf ein menschenwürdiges Leben haben die globalen Wirtschaftslenker im Sinn, sondern einschlägige macht- und wirtschaftspolitische Interessen.

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Thomas Gebauer, Sprecher der Stiftung Medico International. Zuletzt ist von ihm erschienen: „Hilfe? Hilfe! – Wege aus der globalen Krise“ (mit Ilija Trojanow).

Bei aller Notwendigkeit, die für die Einführung eines Grundeinkommens spricht, darf nicht übersehen werden, dass darin auch ein Instrument zur Ruhigstellung sozial marginalisierter Menschen liegen kann. Eines, das keineswegs der Förderung individueller Freiheitsgrade dienen muss, sondern auch als indirekte Subventionierung all der privaten Anbieter von Daseinsvorsorge betrachtet werden kann, die im Zuge der neoliberalen Aufkündigung von Sozialstaatlichkeit entstanden sind.

Um die wunderbare Idee eines universellen Grundeinkommens nicht zu pervertieren, muss es deshalb um eine solidarisch finanzierte soziale Infrastruktur ergänzt werden. Diese darf nicht an den bedürftigen Einzelnen ansetzen, sondern muss allen Menschen unabhängig von ihrer persönlichen Kaufkraft den Zugang zu angemessener Gesundheitsversorgung, zu Bildung, Kultur und all den anderen Gemeingütern ermöglichen, ohne die friedliches Zusammenleben nicht gelingen kann. Nur in Verbindung mit einer solchen öffentlichen Daseinsvorsorge entfaltet ein Grundeinkommen jene Kraft, die schließlich beides zulässt: die Entfaltung der Persönlichkeit und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

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