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Gleichstellung? Die Haus- und Sorgearbeit ist immer noch vor allem Frauensache, eine partnerschaftliche Teilung weiter nicht erreicht. (Symbolbild)

Emanzipation

Männer, macht Euch nichts vor: Traditionelle Geschlechterrollen sind längst nicht überwunden

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Frauen erledigen am Tag zwei Stunden Hausarbeit, Männer 52 Minuten. Von partnerschaftlicher Teilung kann keine Rede sein. Auch wenn der moderne Mann sich damit gern brüstet. 

Ein Geburtsvorbereitungskurs für Paare ist großartig um Frauen die Angst vor Altersarmut zu nehmen. Nach einem Crashkurs für werdende Eltern in einer Geburtsklinik steht fest: Die Dominanz der traditionellen Arbeitsteilung ist passé. Und Deutschland mit der aktuellen Rentenlücke von 46 Prozent zwischen Frauen und Männer in Zukunft nicht länger das Schlusslicht unter den OECD-Ländern. Stattdessen eine Reihe moderner Männer mit dem Bekenntnis, während und nach der Geburt die Rolle des Vaters und Partners aktiv zu übernehmen.

Gleichstellung: Arbeitsteilung zwischen Frau und Mann seit Jahrzehnten gleich

Die Ursachen des sogenannten Gender Lifetime Earnings Gap – die geringe Anzahl von Erwerbsjahren und der geringe Erwerbsumfang von Frauen im Lebensverlauf – wären also aufgehoben. Würde jedwede Haus- und Sorgearbeit partnerschaftlich geteilt, müssten Frauen ihre Erwerbsunterbrechungen und die Reduzierung des Erwerbsumfangs nicht mehr alleine in ihren Karriereentscheidungen antizipieren und durchführen. Männer würden sich stattdessen gleichermaßen der unbezahlten Haus- und Sorgearbeit widmen.

Die traditionelle Arbeitsteilung verändert sich jedoch seit Jahrzehnten mitnichten. Weiterhin leisten Frauen deutlich mehr. Im Jahr 2016 beteiligen sich nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Männer in Paarbeziehungen lediglich mit einem Anteil von 37,2 Prozent an der Haus- und Sorgearbeit. So wenden Frauen fürs Kochen, Putzen und Wäsche waschen an Werktagen etwa zwei Stunden auf, Männer hingegen nur 52 Minuten.

Gleichstellung: Hausarbeit aufgeteilt? Der moderne Mann als Heuchler

Die Hebamme sprach zuletzt die Rolle des Vaters im Kreissaal, wonach die Periduralanästhesie zur Verringerung der Geburtsschmerzen häufiger von Frauen gewünscht wird, wenn die Partner im Kreissaal anwesend sind. Diese raten zur Abhilfe: Es ist wie beim Zahnarzt, da nimmst du auch eine Spritze.

Ein gut gemeinter Rat, der sich nach der Geburt fortsetzt: Arbeite Teilzeit und verzichte auf die leitende Position, ich sorge finanziell für uns. Es sind allerdings nicht Männer, die die negativen Konsequenzen des jeweiligen Rats spüren. Gegen den Schmerz können diese im Kreissaal tatsächlich nichts ausrichten. Die Mühsal von Haus- und Sorgearbeit kann jedoch partnerschaftlich aufgeteilt werden. Ein Vorhaben, das bislang eine bloße Selbstdarstellung des urbanen, modernen Mannes ist.

Von Fabiola Rodriguez

Die Autorin arbeitet an der TU Berlin und koordiniert das Hochschulprogramm DiGiTal zur Förderung von Frauen in Forschung und Lehre.

Lesen Sie hier, was die AfD unter Emanzipation versteht

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