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Giftexport stoppen

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Pestizideinsatz in Indien.
Pestizideinsatz in Indien. © Money Sharma/afp

Die deutsche Agrarchemieindustrie bringt hochgefährliche und in der EU nicht genehmigte Pestizide im globalen Süden auf den Markt. Die Kolumne „Gastwirtschaft“ von Marian Henn.

Das globale Geschäft mit Pestiziden boomt. Alleine in Südamerika hat sich die ausgebrachte Menge in den letzten 30 Jahren verfünffacht. Die Agrarindustrie rechtfertigt den exorbitanten Einsatz zynischerweise mit der Hungerbekämpfung. Dabei untergraben Pestizide die Ernährungssouveränität: Sie stützen besonders den Anbau industrieller Monokulturen wie Soja, Mais oder Zuckerrohr – also Pflanzen die als Tierfutter oder gar nicht der Ernährung dienen. Mit fatalen Folgen: Fast die Hälfte aller Landwirt:innen und Plantagenarbeiter:innen weltweit erleidet jährlich eine Pestizidvergiftung. Schwerwiegende Atemwegs- und Hautkrankheiten, Fehlbildungen bei Neugeborenen, Krebs bis hin zu tödlichen Vergiftungen sind die Konsequenz.

Die europäischen Staaten haben die Risiken erkannt und das Verbot einiger Wirkstoffe verordnet. Jedoch gibt es bislang keine Regeln, die den Export solcher Giftstoffe verhindern. Davon profitiert gerade die deutsche Agrarchemieindustrie, die hochgefährliche und in der EU nicht genehmigte Wirkstoffe im globalen Süden auf den Markt bringt. Denn Deutschland ist der zweitgrößte Exporteur der Welt. Die bei uns beheimateten Konzerne Bayer und BASF verkaufen allein in Südamerika jeweils mindestens zwölf Wirkstoffe ohne EU-Genehmigung.

Umso dringlicher muss das tödliche Geschäft mit den Doppelstandards unterbunden werden – ohne die berühmten Schlupflöcher. Die Bundesregierung hat sich in ihrem Koalitionsvertrag darauf geeinigt, den Export gesundheitsschädlicher Pestizide zu untersagen. Doch in zwei Fragen geht das geplante Verbot nicht weit genug: Zum einen soll nur die Ausfuhr fertiger Pestizidprodukte verboten werden, während die reinen Wirkstoffe weiter exportiert werden können, wo sie dann zu Giftcocktails zusammengepanscht werden.

Zum anderen droht die Ampel sich auf gesundheitsgefährdende Wirkstoffe zu beschränken. Hier muss dringend nachgebessert werden: Auch für die Umwelt gefährliche Pestizide müssen von dem Verbot erfasst werden. Denn auch in den Ländern des globalen Südens befeuern die hierzulande hergestellten Pestizide die Biodiversitätskrise. Es liegt jetzt in den Händen der Bundesregierung, Menschenrechte vor Wirtschaftsinteressen zu stellen.

Der Autor ist Lateinamerika- Referent bei der Menschenrechtsorganisation FIAN

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