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Coca Cola trägt mit ihren Süßgetränken unter anderem massiv zur Fettleibigkeit bei.
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Coca Cola trägt mit ihren Süßgetränken unter anderem massiv zur Fettleibigkeit bei.

Health-in-All

Gesundheit über alles?

  • Jens Holst
    VonJens Holst
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Als Maßstab für politische Entscheidungen gilt die Gesundheit nur in Sachen Corona. Das zeigt der Blick auf Konzerne wie Coca Cola oder Amazon. Die Kolumne „Gastwirtschaft“. 

Dank Corona scheint die langjährige Forderung der Gesundheitswissenschaften nach einer Health-in-All-Politik, also der Berücksichtigung gesundheitlicher Auswirkungen in allen Politikbereichen, endlich Gehör zu finden. Nicht nur, weil Covid-19-Marktschreier Nummer 1, Karl Lauterbach, nun mit seiner Kritik am Lokführerstreik auch das Tarifrecht im Dienst der Gesundheit aushöhlen will, nachdem er vor Monaten schon die Unversehrtheit der eigenen Wohnung in Frage stellte.

Vor allem die bisher unbekannte Einschränkung von Grundrechten und Freiheiten zur Eindämmung von Covid-19 griff in viele gesellschaftliche Bereiche ein. Auch die Großzügigkeit vieler Ministerien bei der Subventionierung darbender Geschäftsbereiche – leider mit Ausnahme des Familienministeriums, das sich offenbar zu fein war, Milliarden für die große Opfergruppe der Kinder und Familien einzufordern – belegt auf den ersten Blick die gestiegene gesamtpolitische Bedeutung von Gesundheit.

Ein genauerer Blick ist indes eher ernüchternd, geht es doch zuallererst um Gesundheitssicherheit. Wie viel die mit öffentlicher Gesundheit zu tun hat, ist ebenso unsicher wie das aktuelle Wissen über Covid-19.

Im Unterschied zu den hektischen, zumeist kurzlebigen wissenschaftlichen Erkenntnissen ist seit langem hinlänglich bekannt und belegt, was die Gesundheit der Bevölkerung am meisten gefährdet und die Anfälligkeit gegenüber Covid-19 erhöht: niedriges Einkommen, Bildungsferne und ihre Folgen wie Adipositas, einer der größten Risikofaktoren für schwere Covid-19-Erkrankungen.

Wenn es Gesundheitspolitik und auch Gesundheitssicherheit ernst meinten mit „Health in All“, müssten sie zum Beispiel auch globale Konzerne wie Coca Cola und Pepsi in die Verantwortung nehmen, die mit ihren Süßgetränken massiv zur Fettleibigkeit beitragen, riesige Gewinne einstreichen, aber mit ihren mickrigen Steuerabgaben nichts zur Folgeneindämmung beitragen. Oder Amazon-Chef Jeff Bezos, der in Lockdown-Zeiten riesige Gewinne einheimst, weil er seine Zusteller untertariflich bezahlt, ausbeutet und damit krank macht.

Gesundheitssicherheit in allen Politikbereichen erfordert mehr als Impfungen in reichen Ländern.

Der Autor ist Facharzt für Innere Medizin, gesundheitspolitischer Berater und hat eine Professur für Global Health an der Hochschule Fulda.

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