Ab 2021 müssen Berater in Banken und Sparkassen ihre Privatkunden fragen, ob sie bei der Kapitalanlage auf ökologische Kriterien achten wollen.
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Ab 2021 müssen Berater in Banken und Sparkassen ihre Privatkunden fragen, ob sie bei der Kapitalanlage auf ökologische Kriterien achten wollen.

Gastwirtschaft

Geldanlage mit Haltung

  • Rolf D. Häßler
    vonRolf D. Häßler
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Beim Bankberater geht es bald um Rendite und Moral

Ab Anfang 2021 müssen Anlageberater in Banken und Sparkassen ihre Privatkunden danach fragen, ob sie bei der Kapitalanlage auf ökologische und soziale Kriterien und auf eine verantwortungsvolle Unternehmensführung achten wollen. Bis zur Einführung dieser Präferenzabfrage in die Beratungsgespräche ist zwar noch ein Jahr Zeit, eine Frage beschäftigt die Banken und Sparkassen aber schon heute: Was ist, wenn ein Kunde „Ja“ sagt?

Bislang sind Privatanleger bei der nachhaltigen Kapitalanlage zurückhaltend. Zwar können sich 40 Prozent der Bundesbürger vorstellen, ihr Geld nachhaltig anzulegen, nur rund fünf Prozent tun dies aber auch. Nach wie vor haben viele Privatanleger Vorbehalte: Muss ich auf Rendite verzichten, wenn ich nachhaltig anlege? Gehe ich ein höheres Risiko ein? Und: Leisten nachhaltige Kapitalanlagen überhaupt einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung?

Für viele dieser Fragen gibt es inzwischen gute Antworten. So zeigen zahlreiche Studien, dass nachhaltige Kapitalanlagen bei der Rendite keinen systematischen Nachteil gegenüber konventionellen Anlagen haben. Einige Studien sehen entsprechende Kapitalanlagen bei Rendite und Risiko sogar im Vorteil. Und mit dem CO2-Fußabdruck stellen immer mehr Anbieter eine Kennzahl zur Verfügung, mit der Anleger die Klimaverträglichkeit von Anlageprodukten bewerten können.

Rolf Häßler

Ein Engpass für die Verbreitung nachhaltiger Kapitalanlagen bei privaten Anlegern war und ist die Beratung in den Banken und Sparkassen. Häufig ist es für die Berater einfacher, dem Kunden ein konventionelles Anlageprodukt zu empfehlen, als mit ihm über nachhaltige Kapitalanlagen und dann eben auch über Themen wie Atomkraft, Gentechnik oder Menschenrechte zu diskutieren.

Durch die neue Verpflichtung, den Privatanlegern die Gretchenfrage „Wie hältst du es mit der Nachhaltigkeit?“ zu stellen, wird sich dies ändern. Aus Sicht der Banken bedeutet sie vor allem zweierlei: Sie müssen eine breite Palette nachhaltiger Anlagemöglichkeiten anbieten und ihre Berater darin schulen, diese den Kunden kompetent erklären zu können. Für Privatanleger wird der Zugang zu entsprechenden Anlagen einfacher – und damit auch die Möglichkeit, ihre persönlichen Werte und Vorstellungen bei der Kapitalanlage zu beachten. Sie müssen dazu bei der Präferenzabfrage nur „Ja“ sagen.

Der Autor, Rolf Häßler, ist Geschäftsführer des Instituts für Nachhaltige Kapitalanlagen (NKI).

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