+
Der Komiker Groucho Marx verdiente am Broadway pro Woche 2000 Dollar. An der Börse das Doppelte.

Gastwirtschaft

Das Geld und seine Kraft

  • schließen

Seit dem Börsencrash vor 90 Jahren hat sich wenig verändert. Die Politik kämpf gegen Symptome und verliert den Blick auf das große Umfassende. Die Gastwirtschaft.

„Ich habe mich von nichts zu extremer Armut hochgearbeitet“ (Groucho Marx)

Heute vor 90 Jahren schlug das Geschehen an der New Yorker Börse wie ein Blitz in die Partystimmung des zu Ende gehenden Jahrzehnts der „Goldenen Zwanziger“ ein und löste eine Weltwirtschaftskrise aus. Der Komiker Groucho Marx verdiente bis dahin am Broadway pro Woche 2000 Dollar. An der Börse das Doppelte. „Das ist schöner als arbeiten“, soll Marx gesagt haben. Das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Lehrers in den USA lag bei 1000 Dollar.

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Andreas Bangemann, Redakteur der Zeitschrift „Humane Wirtschaft“.

Geld für das Bestreiten des täglichen Lebens fließt durch die Wirtschaft. Überschüsse – positive Salden aus Einnahmen und Ausgaben – sondern sich vom direkten Wirtschaftsgeschehen ab und befördern einen Wertschöpfungskreislauf spezieller Art. Läuft es dabei nach Wunsch, verdient man am Kapitalmarkt besser als mit Arbeit. Das Jonglieren mit Geldanlagen verdrängt die ursprüngliche Berufung. Die Geldvermögen insgesamt steigen und konzentrieren sich bei einer Gruppe Superreicher. Das ist weder die Schuld noch das Verdienst der Geldelite – es ist der automatische Ablauf eines Geldsystems mit exponentiellen Wachstumsprozessen.

Die Auswirkungen dieses Systems sind aufgrund der Wechselbeziehungen aller Wirtschaftsaktivitäten durchdringender als angenommen. Dem Schwarzen Donnerstag folgten schwerste wirtschaftliche Verwerfungen, die zehn Jahre später in einen verheerenden Weltkrieg mündeten. Im Hinblick auf Geldpolitik mag man im 21. Jahrhundert schlauer geworden sein. Grundlegend hat sich nichts geändert. Wir sehen soziale Brandherde mit Massenprotesten, begleitet von wachsender Gewalt; eine sich anbahnende Klimakatastrophe; ein von Protesten Jugendlicher angetriebener Symptombekämpfungs-Aktionismus in der herrschenden Politik verhindert nicht das Emporkommen konzeptloser, nationalistischer, zunehmend rassistischer Parteien und Einzelakteure.

Man verliert sich im Klein-Klein und vernebelt damit den Blick auf das Umfassende, in dessen Mitte unangetastet das Geld mit seiner Kraft, sich selbst zu vermehren, ruht. Eine Kraft, die in homöopathischen, sich steigernden Dosen Tag für Tag aus jeder wirtschaftlichen Transaktion einen Obolus saugt und für wenige auf Kosten aller ein Leben ohne Arbeit verheißt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare