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Gastwirtschaft: Volkssport und Kapital

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Von: Andreas Bangemann

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Der Fußball ist Kulturgut und das letzte gemeinsame Lagerfeuer. Doch um ihn zu retten, muss mehr geschehen als ein Personalwechsel im Fußballgeschäft.

Englands Jude Bellingham: Die Anziehungskraft des rollenden Balls setzt Kinder von klein auf in Bewegung.
Englands Jude Bellingham: Die Anziehungskraft des rollenden Balls setzt Kinder von klein auf in Bewegung. © Robert Michael/dpa

Der Fußballsport ist ein kulturelles Phänomen, das Völker weltweit verbindet. Fußball ist aber auch ein kaltblütiges Geschäft. Im Zusammenhang mit der Weltmeisterschaft in Katar offenbarten sich einmal mehr die von Korruption durchsetzten Strukturen beim Weltfußballverband Fifa. Um die Ausrichtung im kleinen Wüstenstaat zu realisieren, ging man über die Leichen ungezählter Wanderarbeiter aus armen Ländern. Lässt sich der Volkssport vor den Auswüchsen von Kapitalmacht retten?

Der Weg in die Leistungsspitze beginnt für Spieler auf Bolzplätzen und Straßen. Die Anziehungskraft des rollenden Balls setzt Kinder von klein auf in Bewegung. Erfolg oder Niederlage erlebt man nur als Mannschaft. Im persönlichen Ballbesitz entfaltet sich die eigene Leistung, um im nächsten Moment wieder in den Dienst der Gemeinschaft überzugehen. Ein Spaß, der jedes Alter und Generationen überdauerte und so aus einem Spiel ein Kulturgut formte. Das Bild „vom letzten Lagerfeuer, um das sich alle versammeln“, vermag die soziale Kraft des Fußballs auf den Punkt zu bringen.

Faszinierende Massenphänomene ziehen Geschäftemacherei an. Die im Laufe der Zeit zunehmende Professionalisierung baute auf dem kulturellen Fundament des Fußballsports auf, zu dessen Dasein weder Fußballfunktionäre noch Konzerne oder Medienunternehmen einen Beitrag leisteten. Die Umstände, wie es zu der WM in Katar kam, lassen sich nur schwer von den Spielen an sich trennen. Die selbstgefälligen Äußerungen des Fifa-Präsidenten Infantino machten erneut deutlich, welch tiefe Kluft sich zwischen Sport und Geschäft bereits bildete. Welt-, Europa- und Länderverbände sind betroffen. An Stellen, durch die ständig massenhaft Geld fließt, verändern sich Strukturen und Menschen, die Entscheidungen treffen. Regeländerungen beim finanziellen Fairplay, samt Überwachung ihrer Einhaltung, kann man nicht denen übertragen, die für die heute herrschenden Verhältnisse mitverantwortlich sind.

Die Auswirkungen der Gesetze des Geldsystems entfalteten sich im Fußballgeschäft und installierten die dazu passenden Funktionäre. Das Austauschen von Köpfen wird nicht reichen, wenn man nachhaltig für die Allgemeinheit dienliche Lösungen erreichen will. Das Kernproblem steckt tiefer und betrifft in ähnlicher Weise alle Bereiche menschlichen Wirtschaftens.

Der Autor ist Chefredakteur der Zeitschrift „Humane Wirtschaft“.

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