1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. Gastwirtschaft

Gastwirtschaft: Komplex denken!

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Stephanie Borgert

Kommentare

Populist Donald Trump. „Ablenken ist ein beliebtes Spiel: Der Grund, die Schuld oder was auch immer wird bei ‚den Anderen‘ gesucht.“
Populist Donald Trump. „Ablenken ist ein beliebtes Spiel: Der Grund, die Schuld oder was auch immer wird bei ‚den Anderen‘ gesucht.“ © Rebecca Blackwell/dpa

Die Welt ist komplex, doch überall werden einfache Lösungen angeboten. Ein Plädoyer gegen die Vereinfacheritis.

Corona, Ukraine, Russland, Inflation, Lieferketten – eine Krise neben der nächsten. Wo begann was? Wer nimmt Einfluss? Wer hat recht, wer unrecht? Was ist zu tun? Wem ist zu glauben?

So viele Fragen und noch viel mehr Unklarheit. Da kann Mensch schon mal den Überblick verlieren. Gleichzeitig werden wir mit einfachen Erklärungen überflutet. Da ist die Welt in gut und böse, schwarz und weiß, richtig und falsch eingeteilt. So weit, so bekannt und verführerisch.

Sind wir mit einem Gewirr aus Informationen konfrontiert und können die Situation nicht sofort ganz erfassen, tendieren wir zu Ausweichmanövern, um der Komplexität so vermeintlich zu entkommen. Ablenken ist dabei ein beliebtes Spiel. Der Grund, die Schuld oder was auch immer wird bei „den Anderen“ gesucht.

Der Blick auf den eigenen Anteil und die eigenen Wirkmöglichkeiten fällt aus. Aber auch Verkapselung, das gnadenlose Fokussieren auf ein klitzekleines Detail, bewahrt uns davor, gibt uns das trügerische Gefühl durchzublicken.

„Das haben wir schon immer so gemacht“ ist das beliebteste Manöver und schützt vor Entscheidungen und verändertem Handeln.

Mensch muss aber gar nicht ausweichen. Wir sind grundsätzlich bestens geeignet, auch komplexe Kontexte zu begreifen und darin gute Entscheidungen zu treffen. Die Fähigkeit, mit Unbestimmtheit umzugehen, ist in uns allen angelegt, wir sollten uns ab und an daran erinnern. Wenn wir uns selbst gestatten, dass Meinungsbildung auch mal dauern darf und nicht zwingend in zehn Sekunden erledigt sein muss, ist schon einiges gewonnen.

„Ich weiß es nicht“ sollte genauso zum üblichen Repertoire der Kommunikation gehören wie die Klarheit, dass wir oft nicht mit Wissen hantieren, sondern Hypothesen bilden. Und überall dort, wo Vieldeutigkeit wirkt, kann es kein einfaches „Entweder-Oder“ geben. Nicht als Antwort auf die großen Fragen hinter all den Krisen und bitte auch nicht im eigenen Denken.

Sowohl-als-auch ist zudem eine schöne Praxis, um uns vom beliebten Kästchendenken zu lösen und mehr Perspektiven anzulegen. Die Ungewissheit zu balancieren hat dazu eine wichtige Wirkung: Es macht immun gegen Vereinfacheritis und Populismus.

Die Autorin ist Management-

beraterin. Zuletzt erschien von

ihr das Buch „Erfolg ist ein

Mannschaftssport“.

Auch interessant

Kommentare