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In jeder Branche passieren Fehler, manche haben gravierende Folgen. 

Gastwirtschaft

Respekt vor dem Fehler

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Ermittlungen gegen die Falschen, fehlerhafte Bau-Genehmigungen, Ärztepfusch: Auch Experten unterlaufen Fehler. Sicherheit verführt zu Nachlässigkeit - hier lässt sich ansetzen.

Fehler sind menschlich“, „Fehler kommen vor“ – heißt es. Das stimmt. Und doch scheint es komplizierter zu sein. Im Arbeitsleben können Fehler fatale Wirkungen entfalten oder unbemerkt bleiben. Was man als Fehler registriert, entscheidet das Umfeld. Die kaum wahrnehmbare Kleinigkeit an der einen Stelle ist andernorts schon ein Vergehen.

Gravierend wirken sich Fehler in kritischen Infrastrukturen aus. Kleine Abweichung, großer Effekt. Man denke an Atomkraftwerke oder Bahntrassen. Doch auch wenn fatale Fehler in der Regel organisatorisch eingebunden sind, sich überwiegend in Unternehmen ereignen – sie treten ebenso in personalisierten Bereichen auf: irrtümliche Terror-Ermittlungen, falsche Bau-Genehmigungen, Ärzte- und Pilotenfehler.

Gerade bei Letzteren lohnt genaueres Hinsehen. Für Professionen, die viel Achtung genießen, da sie über ein langjährig erworbenes, anspruchsvolles Wissen verfügen, ist es nicht trivial, auf Fehler hingewiesen zu werden. Erst recht nicht, wenn die Hinweise von Personen stammen, die als unebenbürtig beziehungsweise als „Lehrlinge“ gelten.

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil.  Heute: Marcel Schütz, Research Fellow an der Northern Business School Hamburg.

Da stellt sich die Frage, wie es kommt, dass selbst Experten (lat. expertus: erfahren, erprobt) banale Fehler unterlaufen. Antworten bietet die Unfallforschung. Nicht trotz Status und Erfahrung machen Professionelle markante Fehler, sondern teils gerade deshalb. Sicherheit verführt zu Nachlässigkeit. Selbstbewusstsein und Autonomie, Säulen des Expertentums, können sich in Schwächen wandeln; weil Entscheidungsmuster über Jahre verinnerlicht wurden, abrupte Störungen einst erlernte Routinen durcheinander bringen oder der Expertenstatus Hemmungen und Wagnisse provoziert.

Schnell ist der Ratschlag notiert, einfach mehr zu kommunizieren. Doch Änderung per Ansage gelingt selten. Die Ausbildung junger Ärzte und Piloten zeigt, dass längeres Sensibilisieren nötig ist. Auch das bietet keine Garantie gegen den Fehler. Der kommt nicht nach Plan, sondern ist Produkt zuweilen einmaliger Umstände. Am ehesten wird man etwas erreichen, wenn der Fehler nicht nur ein marginales Thema beruflicher Qualifikation darstellt.

Respekt vor dem Fehler ist wohl allemal wichtiger, als jener vor Personen, denen solche unterlaufen.

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