In die Rolle des Zinszahlers oder Zinsempfängers wird man meist schon hineingeboren.
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In die Rolle des Zinszahlers oder Zinsempfängers wird man meist schon hineingeboren.

Verschuldung

Her mit den Negativzinsen

  • Beate Bockting
    vonBeate Bockting
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Der Staat verteilt in der Corona-Krise Geld aus der Wundertüte. Dabei gibt es doch gar keinen Mangel an Liquidität. Was wir brauchen sind Negativzinsen - auch auf Bargeld. Sonst wird die Schuldenlast automatisch weiter steigen.

Ade Schuldenabbau – willkommen Neuverschuldung! Die Corona-Hilfspakete erscheinen wie eine Wundertüte. Alle freuen sich, dass der Staat Geld verteilt, und jeder will etwas davon abhaben.

Schon nimmt das Volumen staatlicher Schuldverschreibungen zu: hierzulande um 3,4 Prozent zum Vorjahr. Im gesamten Euroraum wurden im März und April 200 Milliarden Euro zusätzliche Staatsanleihen begeben. Diese neuen Kredite steuerten im April schon 2,3 Prozentpunkte zum Wachstum der Geldmenge M 3 bei.

Dabei gibt es doch gar keinen Mangel an Geld – im Gegenteil: Unternehmen und Private halten 6,8 Billionen Euro auf täglich fälligen Konten. Hinzu kommen noch über 1,3 Billionen Euro Bargeld. Die Sichteinlagen haben sich seit Februar um 479 Milliarden erhöht, der Bargeldumlauf um 55 Milliarden. Wofür? Wieso brauchen wir immer mehr Liquidität, wo doch die Wirtschaftsleistung abnimmt? Die wird im Euroraum voraussichtlich um 5,5 Prozent schrumpfen. Wie passt das zusammen?

Beate Bockting

Wir brauchen nicht mehr Geld. Die Crux liegt in der ungleichen Verteilung. Diejenigen, die zu wenig Geld haben, müssen es sich bei denen leihen, die viel zu viel davon haben. In die Rolle des Zinszahlers oder des Zinsempfängers wird man meist schon hineingeboren. Die Chance, die Seite im Laufe des Lebens zu wechseln, nimmt ab in einem System, das auf der unaufhörlichen Ausweitung von Guthaben und Schulden beruht. Hinter der exponentiellen Zunahme von Vermögen und Schulden verbirgt sich die wachsende Ungleichheit.

Diese basiert auf positiven Zinsen und privatisierten Bodenrenten. Die Rendite der Staatsschulden liegt im Euroraum immer noch bei zwei Prozent und die staatlichen Zinszahlungen noch bei über 150 Milliarden Euro jährlich. Der weit höhere private Zinsdienst kommt noch obendrauf.

Bei der Fülle an Liquidität müssten die Zinsen weiter sinken! Dazu muss auch das Bargeld negativ verzinst werden. Bleiben die Kreditzinsen im Durchschnitt positiv, wird die Schuldenlast automatisch weiter steigen. Und wer zahlt die Zinsen? Wir, die Konsumenten und Steuerzahler, sind es doch selbst! Wir profitieren also von Negativzinsen! Da mag das Geschrei über die „Enteignung der Sparer“ noch so laut sein! Für die schuldenfinanzierten Coronahilfen und den europäischen Green Deal brauchen wir jetzt stärkere Negativzinsen!

Die Autorin ist stellvertretende Vorsitzende der Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung.

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