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3,9 Millimeter hier, 3,7 Kilometer dort: Der Maßstabsvergleich macht den Unterschied deutlich zwischen dem Durchschnittsvermögen der Deutschen und den aktuell größten Vermögen im Land. 

Vermögen

Galaktisch reich

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Die reichsten Deutschen sind so reich, dass sich das der normale Bürger gar nicht mehr vorstellen kann. Und die Politik? Sie schaut weg. Die Wirtschaftskolumne.

Das derzeit größte deutsche Vermögen beträgt etwa 37 Milliarden Euro, das Durchschnittsvermögen 232.000 Euro. Im gleichen Maßstab dargestellt, wäre das erste 3,7 Kilometer hoch, das zweite lediglich 2,3 Zentimeter. Auch das wäre noch untertrieben, denn das Durchschnittsvermögen fällt durch die darin enthaltenen Milliardärsvermögen viel zu hoch aus.

Realistischer ist das Vermögen, das auf einer Reihe aller Vermögen genau in der Mitte liegt, das Medianvermögen: Es beträgt derzeit 38 800 Euro oder 3,9 Millimeter. 3,7 Kilometer gegen 3,9 Millimeter! Woher kommt diese monströse Ungleichverteilung?

Günther Moewes

Einer der vielen Gründe: 1949 hat die CDU-Regierung bei der Währungsreform die Milliarden-Sachvermögen von Krupp, Thyssen, Oetker und anderen gegen den Willen der Alliierten 1:1 aus der Nazizeit übernommen, die Bevölkerung aber mit 40 DM pro Kopf abgespeist. So hat man die gewaltige Umverteilungsautomatik des Kapitals von unten nach oben wieder in Gang gesetzt.

Jeder funktionierende Staat müsste dieser Umverteilung mit einer angemessenen Rückverteilung von oben nach unten entgegenwirken. Unsere Regierung tut jedoch gezielt das Gegenteil: Sie stellt ausgerechnet das notwendige Umkehren dieser gigantischen Umverteilung als angeblich staatsgefährdende „Umverteilung“ dar.

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Günther Moewes, emeritierter Professor für Industrialisierung und Verteilungs- und Wachstumskritiker.

Wie bei der Perversion des Reformbegriffs bedient sie sich des ewig-alten Mittels der Sprachtäuschung. Darüberhinaus lehnt sie eine Vermögenssteuer ab, weil ihre Erhebung bei den Reichen angeblich viel zu aufwendig sei.

Gerechtigkeit zu aufwendig? Frankreichs tapsiger Ex-Präsident François Hollande wollte dieses Problem umgehen. Statt die Vermögen zu besteuern, schlug er kurzerhand vor, eine Steuer auf hohe Einkommen zu erheben. Warum das unsinnig ist? Weil der Einfluss der Einkommen auf die Ungleichverteilung weit kleiner ist als der Einfluss der Vermögen: Dieter Zetsche, Ex-Daimler-Chef, und der Mann mit dem bis vor kurzem höchsten deutschen Gehalt von etwa fünf Millionen Euro netto pro Jahr, hätte ohne Abzug für seine Lebenshaltungskosten mindestens 7400 Jahre gebraucht, um das größte Vermögen von 37 Milliarden zu erreichen.

Und die Rolle der Normalökonomie bei dieser Ungleichverteilung? Sie geht ihrer Lieblingsbeschäftigung nach und liefert den Reichen die Ausreden.

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