+
Protest gegen Monsanto im Mai 2019 in Buenos Aires: Bayer kaufte mit dem Saatgut- und Herbizidproduzenten eines der unbeliebtesten Unternehmen der Welt.

Gastwirtschaft

Fundamentale Kehrtwende

  • schließen

RWE, Thyssen und Bayer müssen mutig sein. Die Kolumne.

Gegen die Wand“, der Film von Fatih Akin, handelt von Existenzkrisen, von schädlicher Tradition und von Selbstzerstörung. Auch die Krisen von Bayer, Thyssen und RWE handeln davon.

Alle drei Unternehmen sind in Existenzkrisen, weil sie unbeirrt auf die falschen Konzepte gesetzt haben, ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Vorstellungen, ohne Konzept für eine nachhaltige Zukunft. Sie haben so ihre Selbstzerstörung fleißig vorangetrieben.

Thyssen-Krupp wollte mit niedrigeren Umweltauflagen in Brasilien Stahl produzieren. Bayer kaufte mit Monsanto eines der unbeliebtesten Unternehmen der Welt, das mit schwierigen Geschäftspraktiken, mit Glyphosat und Gentechnik zum finanziellen Verhängnis wird. RWE hat die Energiewende verschlafen und setzt weiterhin auf Luftverschmutzung und Kohle. So haben alle drei Milliarden-Verluste eingefahren. Zu Lasten der Umwelt, der Arbeitnehmerinnen und auch der Anteilseigner.

Um den Niedergang dieser Konzerne aufzuhalten, braucht es eine fundamentale Kehrtwende der Firmenpolitik von Bayer, RWE und Co. Die Unternehmen müssen neue Konzepte entwickeln. Die klimaneutrale Stahlproduktion muss ebenso Wirklichkeit werden, wie eine funktionierende Kreislaufwirtschaft und die Umstellung auf 100 Prozent erneuerbare Energien.

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Katharina Dröge, Sprecherin für Wettbewerbspolitik der Grünen-Bundestagsfraktion

Damit sich diese Innovationen durchsetzen können, braucht es allerdings auch einen Wandel in der Industriepolitik. Es braucht eine gemeinsame europäische Strategie, die Prioritäten auf Innovation und Nachhaltigkeit setzt. Wir fordern eine Politik, die klare Leitplanken setzt. CO2-Mindestpreis, ordnungsrechtliche Vorgaben zur Einführung neuer Technologien und Mindeststandards im Bereich der Energie- und Ressourceneffizienz geben Unternehmen Planungssicherheit und sind ein guter Anreiz für nachhaltige Innovationen.

Es ist jetzt höchste Zeit, dass Unternehmen und Politik mutig handeln. Es braucht eine Veränderung im Denken und, viel mehr noch, im Handeln. Und zwar nicht nur, um Thyssen, RWE und Bayer vor dem Ruin zu bewahren, sondern um die Klimakrise einzudämmen. Noch können wir das 1,5-Grad-Ziel erreichen. Wenn wir das nicht schaffen, gibt es hingegen nur einen Weg: gegen die Wand.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare