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Für ein Recht auf Reparatur

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Von: Nina Treu

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Ausrangierter Elektroschrott.
Ausrangierter Elektroschrott. © Bernd Thissen / dpa

Der vom Umweltministerium auf den Weg gebrachte Reparierbarkeitsindex ist ein erster Schritt. Um in Richtung einer ökologischen Wirtschaft zu gehen, sollte aber auf eine tatsächliche Umstellung der Produktion auf langlebige Geräte abgezielt werden. Die Kolumne „Gastwirtschaft“. 

Neulich ist mal wieder mein Computer kaputtgegangen. Kennen Sie alle, oder? Irgendein Software-Fehler, wollte nicht mehr hochfahren. Aber es gab eine Lösung. Denn im Konzeptwerk Neue Ökonomie betreiben wir alle Rechner auf open source Linux- Betriebssystemen. Das bedeutet: Dateien sind einfacher zu retten, das nächste Systemupdate gibt es kostenlos und kann ohne Probleme selbst eingespielt werden. Der Laptop funktioniert also wieder.

Wäre das nicht praktisch – eine Welt, in der wir Dinge des täglichen Gebrauchs selbst reparieren könnten? Oder sie zumindest reparabel wären und wir sie nur zu einem Fachgeschäft in der Nähe bringen müssten? Davon sind wir aktuell weit entfernt. Fast drei Millionen Tonnen Elektrogeräte kamen 2019 auf den deutschen Markt. Für deren Herstellung wurden mehr als 700 Millionen Tonnen Rohstoffe aufgewendet, abgebaut unter zumeist menschenunwürdigen und umweltschädlichen Bedingungen. Laut Schätzungen des Umweltbundesamtes landen fast alle Geräte irgendwann auf dem Müll – wobei die fachgemäße Entsorgung als Grundlage für ein Recycling bei nur 44 Prozent liegt. Wir produzieren also Unmengen an Elektroschrott.

Immerhin: Es gibt Versuche, dies zu ändern. Seit 2021 gibt eine neue EU-Ökodesign-Richtlinie vor, dass Ersatzteile mindestens sieben bis zehn Jahre verfügbar, in 15 Werktagen lieferbar und mit einfachen Werkzeugen wechselbar sein müssen. Das Grundproblem ist jedoch, dass die Geräte oft insgesamt nicht reparierbar sind. So sind Teile verschweißt statt verschraubt und können nicht geöffnet und ausgebaut oder voneinander getrennt werden. Das folgt der Logik der Profitmaximierung im Kapitalismus: Wenn die Geräte schneller kaputtgehen und nicht repariert werden können, müssen neue gekauft werden.

Der Weg zu einer ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft ist also noch lang. Ob die Ampel hier tätig wird? Im Koalitionsvertrag ist festgehalten: „Produkte müssen langlebig, wiederverwendbar, recycelbar und möglichst reparierbar sein.“ Der vom Umweltministerium auf den Weg gebrachte Reparierbarkeitsindex ist ein erster Schritt. Um in Richtung einer ökologischen Wirtschaft zu gehen, sollte aber auf eine tatsächliche Umstellung der Produktion auf langlebige Geräte und die Reduktion des Konsums abgezielt werden.

Die Autorin ist Mitbegründerin des Konzeptwerk Neue Ökonomie und arbeitet seit zehn Jahren zu Fragen des sozial-ökologischen Umbaus.

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