+
Das Arbeiten im Kollektiv ist effizient, keine Frage.  Wer sich dabei noch seiner Individualität bewusst ist, seiner Stärken und seiner Schwächen,  erreicht mehr, sagt Experte Grundl.

Gastwirtschaft

Individualität statt Ego: Teamplayer kommen weiter

  • schließen

Sind Sie im Job von Egoisten und Egozentrikern umgeben? Führungskräfte-Coach Boris Grundl ermuntert dazu, die Ich-Krankheiten zu überwinden - und zugleich Individualist zu sein. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Mein Chef ist ein Egoist!“, schallt es mir erbost im Coaching entgegen. „Woran sehen Sie das?“, frage ich. „Weil er sich nur um sich und seinen Kram kümmert.“ Ich bohre tiefer: „Und um wen oder was sollte er sich mehr kümmern?“ „Na um mich und meine Sachen natürlich!“

Wir leben in einer Zeit der persönlichen Befindlichkeiten – als seien in der Welt vor allem Egoisten und Egozentriker unterwegs. Doch Halt! Bevor wir urteilen, sollten wir zuerst Kompetenz aufbauen: Was ist Egoismus genau? Dazu müssen wir die drei Krankheiten des Egos verstehen: Egoismus ist ein Mangel an Empathie, die Bedürfnisse anderer zu erkennen. Es fehlt am Können, nicht am Wollen. Egozentrik heißt ständiges Kreisen um sich selbst. Trotz Empathie ignoriert die permanente Selbstbeschäftigung das Umfeld. Egomanie als Dritte im Bunde ist die Panik, zu kurz zu kommen. Ein Weltbild des Mangels, das andere aus Angst überfährt.

Boris Grundl

Das Gegenkonzept dazu ist die Individualität. Ein wunderbares Geschenk der Einzigartigkeit. Ein Individualist hat gelernt, anderen mit seinen entwickelten Talenten zu dienen und weiß, dass ihm andere mit ihren Stärken bei seinen Defiziten helfen können. So ermöglicht Individualität das größte Geschenk der Demokratie: Freiheit und Selbstbestimmung für alle.

In anderen kulturellen Ansätzen dominiert das Kollektiv – wie in einem Ameisenhaufen. China beweist, wie stark auch das wirkt. Im Land der Mitte ist man überzeugt: „Euer System ist unserem unterlegen, weil ihr auf Freiheit und Selbstverantwortung setzt. Das können und wollen nur die wenigsten.“

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Boris Grundl, Führungskräfteentwickler mit eigener Akademie, Vortragsredner und Autor.

Empörter Widerspruch ist vielleicht auch Ihr erster Reflex. Schlauer ist es aber, aus der Auseinandersetzung mit dieser Haltung zu lernen. Um uns als Wirtschaftsnation zu behaupten, müssen wir die Ich-Krankheiten zur Individualität und damit zur Selbstverantwortung transformieren. Nur so überwinden wir als starke Menschen in einem starken Zusammenhalt die Fesseln des einschnürenden Kollektivismus.

Nur ein starkes Individuum kann sich ohne Angst in ein größeres Wir integrieren und ein wahrer Teamplayer werden. Arbeiten Sie an Ihrer eigenen Individualität und an der Einzigartigkeit der Menschen in Ihrem Einflussbereich. Vielen, wenn auch nicht allen, wird diese Transformation gelingen. Aber jenen, denen es gelingt, gehört die Zukunft.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare