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Unternehmen der Textilbranche verpflichten sich 2014 zu sozialen und ökologischen Standards.

Gastwirtschaft

Freiwillige Verpflichtung?

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Wir müssen uns von diesem Märchen verabschieden.

Ob Frauenquoten, Klimaschutz oder Organspenden – die Liste gescheiterter freiwilliger Initiativen ist lang. Kein Wunder: Mit freiwilligen Vorgaben erreicht man in der Regel nur diejenigen, die sich gerne „richtig“ verhalten wollen. So ist es auch beim Bündnis für nachhaltige Textilien, das vom Entwicklungsminister 2014 gestartet wurde. Unternehmen der Textilbranche verpflichten sich darin zu sozialen und ökologischen Standards. Fünf Jahre später machen 50 Prozent der Branche mit. Die Löhne in der Textilbranche sind kaum gestiegen, Kinderarbeit ist noch immer ein weit verbreitetes Problem.

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil.

Heute: Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin des Hilfswerkes Brot für die Welt und der Diakonie Katastrophenhilfe.

Bei freiwilligen Bündnissen kann man sich selbst rauspicken, worauf man sich verpflichtet – genug für die PR, weniger als weh tut. Will man aber alle erreichen und wirksame Veränderungen für Mensch und Umwelt bewirken, braucht es Regeln, die für alle gelten. Ein Gesetz, das deutsche Unternehmen zu menschenrechtlicher und ökologischer Sorgfalt und internationalen arbeitsrechtlichen Standards verpflichtet, wäre ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Davon sind inzwischen auch immer mehr Unternehmen wie Daimler, Tchibo und KIK überzeugt – nicht nur einige Minister.

Trotzdem nennt der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände den Entwurf des Entwicklungsministeriums für ein Lieferkettengesetz „absurd“.

Es geht um Privilegien, die westliche Staaten und Unternehmen lange Zeit für sich in Anspruch genommen haben. Das Privileg etwa, mit günstigen Produktionsbedingungen – nicht zuletzt Dumping-Löhnen, von denen Familien nicht leben können – in Ländern des globalen Südens enorme Gewinne machen zu können, ohne einstehen zu müssen für Schäden an Mensch und Umwelt. Im deutschen Zivilrecht ist es fundamental, dass man für Schäden im Zusammenhang mit der eigenen Geschäftstätigkeit haftet. Bei Geschäften im Ausland soll es „absurd“ sein?

Bis in die 90er war die Bestechung ausländischer Amtsträger steuerlich absetzbar. Deutsche Unternehmen trugen zu Korruption in Ländern des globalen Südens bei und konnten sich das Geld hinterher vom Fiskus wiederholen. Heute erscheint das „absurd“. Bleibt zu hoffen, dass wir später mit genauso viel Unverständnis auf das Märchen der freiwilligen Unternehmensverantwortung zurück blicken.

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