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Japaner importieren deutsche Autos und Deutsche gleichzeitig japanische.

Gastwirtschaft

Vermeidbarer Handel

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Es gibt ein Übermaß an nicht notwendigem Handel. Würde man ihn abschaffen, ergäben sich Abermilliarden an Einsparungen. Damit ließe sich mühelos ein Grundeinkommen für alle von Arbeit Befreiten finanzieren.

Es wird immer notwendigen internationalen Handel geben. Es wird immer Länder geben, denen für die Eigenproduktion bestimmter Güter genügend Ressourcen, Know-how, Kapital oder Größe fehlen. Derzeit gibt es jedoch ein Übermaß an nicht notwendigem, vermeidbaren Handel. Länder importieren Güter, die sie selbst herstellen oder mühelos selbst herstellen könnten. Ursachen sind meist Dumpingpreise durch zu billige Löhne im Exportland.

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Günther Moewes, emeritierter Professor für Ökonomie und Verteilungskritiker.

Beispiel: Die USA haben keine eigene Fahrradproduktion mehr. Sie importieren alle Räder aus China. Solche vermeidbaren Importe können vorübergehend Sinn machen, um Entwicklungsrückstände in armen Ländern aufzuholen. Sie werden jedoch schädlich, wenn zwei Länder mit gleichen Gütern handeln, die sie dauerhaft beide selbst herstellen können. Also wenn Japaner deutsche Autos importieren und Deutsche gleichzeitig japanische. Ein solcher Handel belastet den Planeten unnötig. Nicht nur durch vermeidbare Transporte, sondern vor allem auch durch vermeidbaren Sekundäraufwand wie Schiffe, Häfen und deren Unterhalt, Material- und Energiebedarf. Noch schädlicher ist Handel, der Wirtschaften durch industrielle Billigprodukte zerstört, etwa in Afrika. Solche nicht arbeitsteiligen Formen des Handels waren von den Klassikern der Ökonomie nie vorgesehen.

Würde dieser vermeidbare Handel entfallen, verlören viele Menschen ihre Arbeit, sagen Ökonomen. Nachfrage, Wettbewerb, Wertschöpfung und Wohlstand gingen zurück. Dieses ewige Arbeitsplatzargument ist einer der schwersten Denkfehler der Ökonomie. Tatsächlich ginge der Wohlstand gar nicht zurück. Es gäbe genau so viel Lebensmittel, Kleidung und Autos wie vorher, nur eben einheimische. Die Einkommen aus Transport- und Transportmittelindustrie entfielen zwar. Dafür würden aber deren Material-, Energie-, Aufbau- und Unterhaltskosten gespart.

Zu vermeidbarer Arbeit gehören auch große Bereiche der Branchen Verpackung, Agrarchemie, Rüstung sowie der Bürokratie. „Bullshit-Jobs“ nennt sie der US-Anthropologe David Graeber. Ihre einzige Funktion ist der Renditevorwand. Würde man diese global vermeidbare Arbeit weltweit abschaffen, ergäben sich Abermilliarden an Einsparung. Damit ließe sich vermutlich mühelos ein Grundeinkommen für alle von Arbeit Befreiten finanzieren. Vor allem aber würde die Natur stärker entlastet als durch jede CO2-Steuer.

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