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Typisch männliche Privilegien: Führungspositionen, Autorität, Einfluss - und Geld.

Neuerscheinung

„Down Girl“ von Kate Manne: Was Männer fordern und warum Frauen Schuldgefühle haben

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„Down Girl“ von Kate Manne zeigt, wie Frauen in der Gesellschaft systematisch kleingehalten werden. Unsere Autorin Sigrid Meuselbach hat das Buch gelesen. Die Gastwirtschaft.

Nein, „Down Girl“ ist keine angesagte Netflix-Serie und auch kein Psychothriller auf der Bestsellerliste. Es ist das neueste Buch der amerikanischen Philosophin und Genderforscherin Kate Manne, das jetzt auch auf Deutsch vorliegt. Darin befasst sie sich mit dem gesellschaftlichen Missstand der Misogynie (griechisch für Frauenhass) – ein sperriges Wort, das in Deutschland nur selten verwendet wird, mir selbst schwer über die Lippen geht und bedrohliche Assoziationen weckt.

Und die düstere Vorahnung bestätigt sich: Bis in gewalttätige Details hinein beschreibt Kate Manne, wie Frauen in unserer Gesellschaft systematisch kleingehalten werden, damit sie sich nicht aus der unterstützenden und gebenden Rolle herauswagen, die für den männlichen Teil der Bevölkerung so angenehm ist.

Männer, so erklärt Manne, fordern von Frauen Zuneigung, Bewunderung, Nachsicht, Liebe und Geborgenheit. Erfüllen sie diese Pflichten nicht, droht Frauen der Entzug gesellschaftlicher Anerkennung, harsche Kritik oder gar häusliche Gewalt.

Unausgesprochener Imperativ: Frau, versuche nicht, männliche Privilegien zu fordern

Für den weiblichen Teil der Bevölkerung ergibt sich daraus laut Manne der unausgesprochene Imperativ: Versuche nicht, männlich kodierte Privilegien zu fordern! Dazu gehören Führungspositionen, Autorität, Einfluss und Geld. Um diese Güter sollte eine Frau mit einem Mann nicht konkurrieren. Fazit des Buches: Viele Frauen gehorchen und tun es nicht. Tun sie es doch, haben sie Schuldgefühle.

Sigrid Meuselbach ist Karriereberaterin und Trainerin. Zuletzt erschien von ihr „Weck die Chefin in Dir“ im Ariston-Verlag.

Eine Lösung hat US-Autorin Manne nicht. Ihr sachliches und eindringliches Buch ist ernüchternd und aufrüttelnd zugleich. Denn: Wenn wir Frauen diese Mechanismen erkannt haben, können wir zumindest an einigen Stellen besser gegensteuern. Und mit Sicherheit wird das Buch auch manch schlauen Mann dazu veranlassen, seine eigenen, oft auch unbewussten Verhaltensmuster zu erkennen und uns Frauen zu unterstützen und zu ermutigen.

So wie Mannes Ehemann: Er ermunterte sie beim Schreiben, sehr deutlich zu sein und die Männer bloß nicht in Schutz zu nehmen, wie wir Frauen es aller Erfahrung nach gerne tun. Auch das eine Neigung, die wir uns selbst bewusst machen sollten, um sie zu vermeiden. Sie tut uns nicht gut und bringt uns nicht voran.

Die Autorin ist Karriereberaterin und Trainerin. Zuletzt erschien von ihr „Weck die Chefin in Dir“ im Ariston-Verlag.

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