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Wenn solche Systeme eingesetzt werden, beispielsweise in autonom fahrenden Autos, muss gewährleistet sein, dass keine gesellschaftliche Gruppe dadurch stärker gefährdet wird als andere.

Gastwirtschaft

Frauen müssen bei der Digitalisierung mitgestalten

Führungsposten in der Politik sind derzeit vor allem männlich besetzt. Um mit Veränderungen, die die Digitalisierung auslöst, umzugehen, benötigen wir dort dringend mehr Frauen. Sonst verschenken wir Potenzial und ignorieren Gefahren. Die Gastwirtschaft.

Führungsposten in der Politik sind derzeit vor allem männlich besetzt. Um mit den Veränderungen, die die Digitalisierung auslöst, umzugehen, benötigen wir dort dringend mehr Frauen. Sonst verschenken wir Potenzial und ignorieren Gefahren.

Schaut man in die Führungsetagen hiesiger Behörden, könnte man fast überrascht davon sein, dass hierzulande genauso viele Frauen wie Männer leben. Nur 37 Prozent der Referatsleiter in Bundesministerien sind Frauen (was etwa dem Frauenanteil im Bundestag entspricht) und auf zehn männliche Staatssekretäre kommen nicht einmal zwei weibliche.

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Johanna Famulok, Kommunikationsmanagerin bei der Stiftung Neue Verantwortung und arbeitet zum Thema Diversität und Digitalisierung.

Wie viele Frauen am politischen Betrieb beteiligt sind, wirkt sich auf die Themensetzung, die Interpretation von Problemen und die Kompetenz, mit der diese Probleme dann bearbeitet werden, aus. Frauen bringen Themen auf die politische Agenda, die sie tangieren und bei denen sie einen Leidensdruck spüren – genauso wie Männer das für sich tun. Die Wahrscheinlichkeit, mit der es Themen wie Pflege, Bildung, Infrastruktur oder Altersarmut in den Gesetzgebungsprozess schaffen, steigt mit dem Frauenanteil.

Gerade in Zeiten der Digitalisierung ist das von kaum zu überschätzender Bedeutung. Denn diese wirkt sich auf Männer und Frauen nicht gleich aus, wie die automatische Gesichtserkennung beweist: Männer werden von Software dieser Art etwa siebenmal besser erkannt als Frauen. Das liegt daran, dass die fast ausschließlich männlichen Entwickler dieser Technologie die verwendeten KI-Systeme kaum mit Daten von Frauen trainiert haben. Wenn solche Systeme eingesetzt werden, beispielsweise in autonom fahrenden Autos oder in der Strafjustiz, muss gewährleistet sein, dass keine gesellschaftliche Gruppe dadurch stärker gefährdet wird als andere. Derzeit deutet einiges darauf hin, dass sehr häufig Frauen diskriminiert werden.

Um auf solche Gefahren frühzeitig aufmerksam zu werden, brauchen wir ein klares Bekenntnis zu gendersensibler Politik. Die Politik muss erkennen, welch verheerende Folgen es haben wird, wenn der Umwälzungsprozess der Digitalisierung nicht auch als historische Chance betrachtet wird, Frauen Gestaltungsspielräume zu gewähren und so nicht nur Diskriminierung abzubauen, sondern auch zu gerechteren, tragfähigeren und schlichtweg besseren Lösungen zu kommen.

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