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Fossile Risiken

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Das polnische Kohlekraftwerk Belchatów. Das Land schneidet „sehr schlecht“ ab
Die vier führenden deutschen Banken haben rund 23 Milliarden US-Dollar in Kohle, Öl und Gas investiert. © afp

Im Zuge des Wandels zu einer klimaneutralen Wirtschaft werden viele Anlagen zur Gewinnung fossiler Brennstoffe vor dem Ende ihrer wirtschaftlichen Lebensdauer aus dem Betrieb genommen werden müssen. Darauf sollten die Banken sich vorbereiten. Die Kolumne „Gastwirtschaft“ von Julia Symon.

Die vier führenden deutschen Banken haben rund 23 Milliarden US-Dollar in Kohle, Öl und Gas investiert. Da diese Investitionen zukünftig risikoreicher werden, wird eine Subprime-Krise, ausgelöst durch fossile Brennstoffe, immer wahrscheinlicher. Die EU-Bankenregeln müssen jetzt aktualisiert werden, um diesen Risiken Rechnung zu tragen.

Im Zuge des Wandels zu einer klimaneutralen Wirtschaft werden viele Anlagen zur Gewinnung fossiler Brennstoffe vor dem Ende ihrer wirtschaftlichen Lebensdauer aus dem Betrieb genommen werden müssen. Finanzinstituten werden dadurch enorme Kosten entstehen. Diese neuen finanziellen Risiken zu bewerten und zu managen ist eine Priorität für die Institute und die Aufsichtsbehörden. Die Entscheidungsträger der EU müssen dafür ein robustes Rahmenwerk schaffen.

Eine Anpassung der Eigenkapitalanforderungen für Banken ist eine wirksame Lösung, um den Risiken von Investitionen in Kohle, Öl und Gas Rechnung zu tragen. Insbesondere die Säule eins der Basel-III-Richtlinie, die derzeit von den EU-Gesetzgebern erörtert wird, sollte aktualisiert werden. Für die Kreditengagements der Banken im Bereich bereits erschlossener fossiler Brennstoffe sollte eine Risikogewichtung von 150 Prozent vorgesehen werden. Dies würde bedeuten, dass Banken ihre haftbaren Eigenmittel im Verhältnis zu ihrem Kreditengagement in fossile Brennstoffe erhöhen müssen.

Die Banken wehren sich: Dies würde Profite schmälern und die Finanzierung der grünen Wende erschweren. Finance Watch hat jedoch errechnet, dass dies die deutschen Banken rund 3,2 Milliarden Dollar kosten würde – das sind gerade einmal 6,5 Monate ihrer Profite von 2021. Im Zuge der Finanzkrise von 2008 mussten die Banken weitaus mehr zusätzliches Kapital aufnehmen. Dies gelang ihnen innerhalb von 18 bis 24 Monaten und ohne dass dies die Kreditvergabe oder ihre Bilanzsumme reduziert hätte.

Eine Erhöhung der Eigenkapitalanforderungen ist eine kosteneffektive Maßnahme, die die Widerstandsfähigkeit der Banken im Blick auf Klimarisiken erhöhen würde. Derzeit ist eine Überarbeitung der EU-Eigenkapitalvorschriften im Gange, was uns in die einzigartige Lage versetzt, eine Subprime-Krise, ausgelöst durch fossile Energien, zu verhindern. Wir dürfen die Chance nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Die Autorin ist Leiterin der Abteilung Recherche und Advocacy der Nichtregierungsorganisation Finance Watch.

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