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Flut und Dürre

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Von: Günther Moewes

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Trockenheit am Edersee
Nicht mehr als ein Rinnsal ist das Flüsschen „Werbe“, die durch den fast trockenen Edersee bei Scheid fließt. © Boris Roessler/dpa

Deutschland braucht dringend einen Wasserminister! Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Die Wachstums-, Arbeits- und Übervölkerungsfanatiker haben unseren Jetstream ein für allemal kaputt gemacht. Wie kann man diesen Denkverweigerern klar machen, was sie angerichtet haben und was auf uns zukommt? Statt unseres Jahrtausende alten, lebensnotwendigen Wetterwechsels werden wir immer öfter monatelange Dürren oder wochenlange Überflutungen erleben. Das Zwei-Grad-Ziel bleibt eine gut gemeinte Illusion. Große Landstriche werden sich in Steppen oder Wüsten verwandeln. In vielen Teilen Niedersachsens, Brandenburgs und Sachsen-Anhalts wird es aussehen wie heute schon in Spanien. Viele Ernten werden halb oder ganz verloren gehen, auch in bisher gemäßigten Zonen. Teuerung oder gar Hunger stehen bevor.

Um unsere künftige Land- und Forstwirtschaft und damit unser Überleben zu sichern, bedarf es künstlicher Bewässerung und gewaltiger Vorsorge-Anstrengungen. Doch unsere Politik kann seit je nur verspätete Nachsorge. Es gilt, die beiden Extreme Flut und Dürre miteinander auszugleichen und so viel Süßwasser wie möglich am Abfluss ins Meer zu hindern. Dazu sind im Bereich der Flussoberläufe gewaltige Rückhaltebecken und Speicher von der Größe unserer Braunkohleseen erforderlich, von denen das Wasser dann später bei Dürre möglichst per Pipeline und Eigengefälle auf die tiefer gelegenen Felder und in die brandbedrohten Wälder geleitet werden kann. Sowie in die Rückvernässung der Moore.

Ein zu gewaltiges Projekt? Die alten Reis-Terrassen Asiens, der Küstenschutz der Niederlande, die Wasserwirtschaft in alten Goldminen oder im Oberharzer Bergbau – das alles war mindestens ebenso aufwendig. Nur hätte man heute längst damit anfangen müssen. Wenn die Gletscher erst abgeschmolzen sind, ist es zu spät. Unsere Politiker begreifen gerade mühsam ihr selbst verschuldetes Energie- und Gasproblem, nicht aber unser ebenfalls von ihnen verschuldetes, aber ungleich größere Wasserproblem. Mit nächtlichem Duschverbot und Abstellen des Trinkwassers ist es da nicht mehr getan.

Im kleinen Wüstenland Oman kann man sehen, was man mit künstlicher Bewässerung, Indoor-Farmen und Nährlösungskulturen alles erreichen kann. Ein Wasserminister muss her. Mit großen Vollmachten. Am besten gleich aus dem Oman.

Der Autor ist emeritierter Professor für Industrialisierung und Verteilungs- und Wachstumskritiker.

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