Schweinemast: Viele wünschen sich bessere Haltungsbedingungen.
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Schweinemast: Viele wünschen sich bessere Haltungsbedingungen.

Tierische Lebensmittel

Fleischsteuer hilft nicht

  • vonAnne Markwardt
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Wie wir mehr Tierwohl erreichen können.

Die schweren Covid-19-Ausbrüche in deutschen Schlachthöfen haben auch die Debatte über das Preisniveau und die Wertschätzung für tierische Lebensmittel in Deutschland neu entfacht. Inzwischen gehört Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) zu den Befürworterinnen einer Fleischsteuer. Davon verspricht sie sich mehr Wertschätzung sowie eine Geldquelle für Subventionen, die in den Umbau der Tierhaltung fließen sollen.

Doch die Steuer ist nicht entscheidend für mehr Tierwohl. Die Mehrheit der Verbraucher in Deutschland wünscht sich bessere Haltungsbedingungen für landwirtschaftliche Nutztiere. Die meisten sind auch bereit, mehr dafür zu bezahlen. Aber sie wollen sicher sein, dass der Mehrpreis auch tatsächlich zu mehr Tierwohl führt. Verbraucher wollen einfach nachvollziehen können, wie die Tiere gelebt haben. Ein Tierwohllabel ist deshalb unabdingbar.

Genauso wichtig ist, dass sich Bundesregierung und Bundesländer auf die Anhebung der gesetzlichen Standards in der Tierhaltung verständigen. Damit diese Standards auch flächendeckend eingehalten werden, braucht es ein effektives Kontrollsystem. Dieses muss den gesundheitlichen Zustand der Tiere und ihr Wohlergehen betriebsgenau erfassen.

Wenn die Politik Tierhaltungsbetriebe außerdem mit staatlichen Fördergeldern beim Umbau unterstützt und dabei tatsächlich etwas für die Tiere erreichen will, ist eines besonders entscheidend: Die Auszahlung muss an eine messbar bessere Tiergesundheit gekoppelt werden und keinesfalls nur an mehr Platz pro Tier. Nur wer nachweisen kann, dass es seinen Tieren tatsächlich besser geht, sollte Geld erhalten.

Höhere Haltungsstandards würden zu einem höheren Preisniveau für Fleisch führen. Gleichzeitig erhielten Verbraucher aber dafür auch eine höhere Qualität. Deshalb ist davon auszugehen, dass höhere Standards eher zu mehr Wertschätzung und Akzeptanz höherer Preise führen als eine pauschale Fleischsteuer.

Und noch etwas ist unumgänglich: Ein grundsätzliches Umdenken in der Landwirtschaft. Die Produktion möglichst großer Mengen zu möglichst niedrigen Preisen, vor allem für den Export, ist kein Zukunftsmodell. Stattdessen sollte das Ziel eine gesellschaftlich anerkannte Tierhaltung sein, mit der qualitativ hochwertige tierische Produkte erzeugt und zu fairen Preisen verkauft werden.

Die Autorin Anne Markwardt ist Leiterin Team Lebensmittel im Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv)

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