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Sind wir wirklich schon alle Cyborgs?

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Fantastische Möglichkeiten

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Cyborgs oder digitale Weltmacht?

Da sitzt Elon Musk, selbst ernannter Prophet der digitalen Zukunft, auf der Bühne der World AI Conference und fabuliert, dass wir Menschen schon längst alle Cyborgs seien. Schließlich trennten wir uns nur selten vom Smartphone, und die Maschinen begännen so langsam, sich mit uns Menschen zu langweilen. „Halt, stopp!“, möchte ich ihm zurufen und vorschlagen, er möge jetzt mal einen Informatik-Grundkurs besuchen.

Was Herr Musk wirklich beherrscht, ist Begriffe wie Emotionen, Langweilen oder auch Lernen im Zusammenhang mit Maschinen zu verwenden. Gleich so, als hätten sie in der Welt von Blech und Algorithmen einen Sinn. Dabei bestreite ich keinesfalls, dass es bereits sogenannte Cyborgs gibt. Ein Kollege beispielsweise hat sich einen Chip in die Hand implantieren lassen. 800 MB Speicherplatz, um Fotos abzulegen oder zukünftig das elektronische Türschloss damit zu bedienen. Wenig spektakulär, aber das ist der Stand der Technik, wenn es um Mischwesen aus Mensch und Maschine geht.

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Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Stephanie Borgert, Managementberaterin. Zuletzt erschien von ihr das Buch „Die kranke Organisation“.

Die Entwicklung künstlicher Intelligenz geht weit weniger rasant voran, als uns die Hersteller „intelligenter Lösungen“ glauben machen wollen. Was jedoch mit beängstigender Geschwindigkeit vorausgaloppiert, ist der Aufstieg Chinas zur digitalen Weltmacht. Jüngst war Frau Merkel in Peking, um unter anderem über das Sozialpunktesystem zu sprechen, das die Regierungspartei Chinas nun auch auf alle ausländischen Unternehmen auszuweiten gedenkt. Wer in China Niederlassungen und Werke hat, muss sich auf die Überwachung der Mitarbeitenden einstellen und auf Wunsch Entlassungen vornehmen. So bereits geschehen bei Cathay Pacific, die mehrere Angestellte und ihren Chef feuerte, weil diese in die Proteste der Demokratiebewegung involviert waren.

Was werden deutsche Unternehmen wie VW oder Siemens wohl tun, wenn sie an die Datenkrake Chinas angeschlossen werden sollen? Was geschieht, wenn diese soziale Kontrolle auch auf die deutschen Stammhäuser zugreifen möchte? Während die einen laut von den fantastischen Möglichkeiten der Maschinen schwadronieren, streben andere sehr leise die digitale Weltmacht an. Wann also werden wir beginnen, ernsthaft über Ethik und Verantwortung in der digitalisierten Welt zu diskutieren? Das nämlich ist unser aller Aufgabe, um die Zukunft zu gestalten.

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