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Es brennt!

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Von: Carsten Brzeski

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Trübes Wetter herrscht zwischen den Jahren über Frankfurt: Die oberen Stockwerke der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) im Ostend werden vom Nebel verschluckt.
Wenn die sich die Europäische Zentralbank nur sechs Tage nach einem großen und Weichen stellenden Treffen zu einem „Ad hoc“-Treffen zur Besprechung der Finanzmärkte einfindet, heißt das nur eins: Es brennt.  © Frank Rumpenhorst/dpa

Die Zinsen auf italienische Staatspapiere sind in den vergangenen Tagen auf den höchsten Stand seit 2014 gestiegen und auch die für griechische Staatsanleihen rauschen wieder nach oben. Die Eurokrise lässt grüßen. Zeit für eine unbequeme Wahrheit. Die Kolumne „Gastwirtschaft“. 

Wenn die sich die Europäische Zentralbank nur sechs Tage nach einem großen und Weichen stellenden Treffen zu einem „Ad hoc“-Treffen zur Besprechung der Finanzmärkte einfindet, heißt das nur eins: Es brennt. Die Zinsen auf italienische Staatspapiere sind in den vergangenen Tagen auf den höchsten Stand seit 2014 gestiegen und auch Zinsen auf griechische Staatsanleihen rauschen wieder nach oben. Die Eurokrise lässt grüßen. Auch für die EZB ist es ein Déjà-vu. Erst vergangene Woche bei der Ankündigung der Zinswende versuchte die EZB noch, stark steigende Zinsen in Südeuropa kleinzureden. Keine sechs Tage später besann sie sich eines Besseren und kündigte ein offizielles Programm zur Stabilisierung der Zinsdifferenzen an.

Wie dieses Programm genau aussieht, werden wir erst in den kommenden Wochen hören. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass es für eine Notenbank nur eine Möglichkeit gibt, Zinsen auf Staatsanleihen nachhaltig zu stabilisieren: indem sie diese Staatsanleihen kauft. So wie Mario Draghi das vor fast zehn Jahren mit seiner „Whatever it takes“-Rede eingeleitet hatte.

Allerdings haben sich die Zeiten geändert. Während und nach der Eurokrise kämpfte die Eurozone gegen Rezession und Deflation. Jetzt kämpft sie gegen Rezession und Inflation. Die EZB muss und will die Zinsen normalisieren. In so einer Situation Staatsanleihen zu kaufen, ist ungefähr so, wie mit dem einen Fuß auf dem Brems- und dem anderen auf dem Gaspedal zu stehen.

Um die EZB aus dieser Situation zu befreien, ist es Zeit für eine unbequeme Wahrheit: Die EZB hat Europas Regierungen in den vergangenen zehn Jahren Zeit gekauft. Um die Eurozone krisenfest zu machen und die Integration abzurunden, die nötig ist, um das ewige Risiko eines Auseinanderbrechens der Währungsunion für immer zu eliminieren. Kapitalmarktunion, gemeinsamer Haushalt für gemeinsame Projekte und genaue Verteilung von Verantwortung zwischen Brüssel und Hauptstädten – nur einige der Projekte, die angestoßen, aber nie zu Ende gebracht wurden.

Damit findet sich die EZB wieder in der ungeliebten Rolle des Retters des Euro zurück. Sie will diese Rolle nicht und sollte diese Rolle auch nicht haben wollen. Wer wissen will, wie Zinsunterschiede wirklich stabilisiert werden können, sollte nach Brüssel, Berlin, Paris oder Rom schauen, aber nicht nach Frankfurt.

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