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Kaum jemand wollte noch Bäcker werden.

Gastwirtschaft

Die Erkenntnis kommt wahrscheinlich zu spät

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Überflüssige Erwerbsarbeit hilft den Eliten, Löhne zu drücken, und schadet dem Klima.

Die wenigen Wissenschaftler, die im Jahr 2100 die Klimakatastrophe im Wüstendorf Potsdam überlebt haben, werden schreiben: Vor 80 Jahren gab es fünf Meinungsgruppen: 1.) Einfache Leute, die glaubten, dem Klima ein Schnippchen zu schlagen, indem sie die wählten, die den Menschenanteil leugneten. 2.) Kompliziertere, die glaubten, Textil-, Fleisch- und Kreuzfahrtindustrie würden verschwinden, wenn man nur ihren CO2-Anteil bepreise. 3.) Ganz naive TV-Leute, die Sätze bildeten wie: „Erfreuliche Nachrichten aus China: Das Wachstum in der verarbeitenden Industrie zieht wieder an“. 4.) Komplette Fachidioten, die nach wie vor glaubten, Wohlstand sei nur zu erhalten, wenn die reichen Industrieländer stets mehr produzierten. 5.) Sehr junge Hauptbetroffene, die die Problemdimension zwar erkannten, aber keinen Rat wussten.

Keiner sah eine der Hauptursachen: Die Koppelung des Lebensunterhalts der Bevölkerungsmehrheiten an die 40 bis 60 Prozent überflüssige oder schädliche Erwerbsarbeit. Denn: Notwendige Arbeit musste nicht „beschafft“ werden. Im Gegenteil: Ihr Angebot war meist größer als die Nachfrage. Kaum jemand wollte noch Bäcker oder Altenpfleger werden. Arbeitsbeschaffung konnte dagegen oft nur überflüssige Arbeit neu beschaffen. „Bullshit-Jobs“ nannte sie der US-Anthropologe David Graeber. Sie waren in der Menschheitsgeschichte bevorzugtes Mittel der Eliten, um den Bau ihrer Tempel, Pyramiden, Paläste, Flotten und Kanonen durchzusetzen. 2020 waren es vor allem vermeidbare Verpackung, Transportwahn und vermeidbarer Handel mit seinen riesigen Umschlaghäfen. Und warum? Weil man mit der künstlich erzeugten Übernachfrage die Löhne auch für notwendige Arbeit drücken konnte. Im Grunde waren alle Arbeitsbeschaffer nur Wasserträger der Multimilliardäre.

Deshalb sträubten sie sich auch so gegen ein Grundeinkommen. Es wäre das einzige Mittel gewesen, um den Einzelnen von überflüssiger und schädlicher Arbeit unabhängig zu machen, ein Schritt zu wirklicher Selbstbestimmung, der gleichzeitig Klima, Demokratie und soziale Verteilung gerettet hätte. Nicht finanzierbar? Tatsächlich stieg das Sozialprodukt damals in den meisten Ländern immer noch an. Wenn auch nur 20 mal langsamer als die Milliardärsvermögen. Nicht trotz, sondern dank der immer mehr Maschinen- und immer weniger Menschenarbeit.

Günther Moewes ist emeritierter Professor für Industrialisierung und Verteilungskritiker

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