Brüssel räumt vielerorts den Radfahrer:innen Vorrang ein.
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Brüssel räumt vielerorts den Radfahrer:innen Vorrang ein.

Leben in der Stadt

Wir brauchen neue Ideen für heiße Städte

  • vonLisa Reichmann
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Unsere Städte müssen lebenswerter werden, grüner, angepasst an die steigenden Temperaturen. Wie das aussehen könnte? Einige Metropolen machen es vor.

Vertrocknetes Gras statt sattem Grün; der Schweiß läuft und der Kopf schwirrt. Das Leben in der Großstadt ist gerade vor allem: heiß. Uns überrollt eine Hitzewelle. Und das ist jetzt normal. Hitzeperioden werden mit weiterer Erderwärmung immer häufiger auftreten, extremer ausfallen und länger andauern. Aktuelle Studien erwarten für die Sommermonate bis 2050 in Berlin einen Temperaturanstieg von bis zu sechs Grad. Das kann das Leben in den Städten unerträglich machen – für einige Menschen sogar tödlich.

Um das Schlimmste zu verhindern, brauchen wir endlich eine konsequente Klimapolitik – die Emissionen müssen deutlich runter. Und wir brauchen neue Ideen für unsere Städte: Sie müssen lebenswerter werden, grüner, angepasst an die steigenden Temperaturen. Wie das aussehen könnte?

Die kolumbianische Hauptstadt Bogotá machte es der Welt vor und sorgte für über hundert Kilometer temporärer Fahrradspuren entlang der Hauptverkehrsstraßen. Brüssel kehrt die Verkehrsverhältnisse um und räumt Fahrrädern und Fußgänger*innen in der Innenstadt Vorrang ein. Die Millionenstädte Vancouver, New York und Budapest sperren Nebenstraßen für den Autoverkehr.

Weniger Autos und eine alternative Verkehrsinfrastruktur sind ein guter Anfang. Doch klimafeste Städte brauchen mehr: Grünflächen statt Beton, Raum für Wasser statt versiegelte Flächen. Das Projekt „Gürtelfrische“ in Wien probiert es aus – und verwandelte eine siebenspurige Kreuzung in eine grüne Oase – inklusive Swimmingpool, Bühne und viel Grün. In Frankreich sorgen viele Städte mit „Frischeinseln“ für Abkühlung: mobile Springbrunnen, die vor Bahnhöfen oder in der Innenstadt Passant*innen versorgen.

Frischer Wind statt Hitzestau ist also möglich – wenn die Städte das zur Priorität machen. Statt auf Klimaanlagen zu setzen, die den Energieverbrauch weiter hochtreiben werden, sollten die Städter*innen sich den Raum zurückerobern: mit dem Rad und durch systematische Begrünung – auf Schulhöfen, Parkplätzen und Dächern. Seit der Corona-Pandemie wissen wir, wie dramatisch eine Krise die öffentliche Gesundheit erschüttern kann. Es ist an der Zeit, auch die Klimakrise ernst zu nehmen. Zur echten Erfrischung hilft nur: Unsere Städte umbauen.

Lisa Reichmann, die Autorin dieser Folge unserer Kolumne „Gastwirtschaft“ , ist Teamleiterin bei der Nichtregierungsorganisation Campact.

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